Artikel März, 2014

Obwohl die Deutschen in dem Ruf stehen, eher verhalten zu sein, wenn es um den Erwerb von Immobilien geht, der Aktuelle Markt scheint eine Wendung im Kaufverhalten nahe zu legen. Statt ihr erspartes auf einem Konto oder Sparbuch zu bunkern, in Aktien anzulegen oder in Rohstoffwerte wie Gold zu investieren, kaufen immer mehr Deutsche Immobilien. Die Motivation bei vielen: die Altersvorsorge. Viele Kaufen sich in erster Linie ein Eigenheim, immer mehr Menschen legen ihr Geld jedoch in den letzten Jahren vermehrt in Mietobjekten an. Man kauft sich Eigentumswohnungen, die man anschließend vermietet. Die Eigentümer spekulieren auf eine weitere Wertsteigerung in den kommenden Jahren und die weiterhin steigenden Immobilienpreise stützen diese These. Ausländische Investoren mischen auf diesem Gebiet ebenfalls kräftig mit, denn seit der Eurokrise steht Deutschland als einer der stabilsten Märkte dar, auf dem man sein Geld noch sicher anlegen kann, sei es in Aktienanteilen, Immobilien oder Unternehmen.

Deutsche Großstädte sind teuer. Zu teuer?

Nach Angaben der Bundesbank ist der verfügbare Wohnraum in deutschen Großstädten absolut überteuert. In den Großstädten liegen die Preise zum Teil etwa 25 Prozent über dem Durschnitt. Berlin ist dabei noch die Ausnahme, allerdings liegt die Betonung auf noch, denn in der Bundeshauptstadt steigen die Mieten derzeit am meisten. Im Berliner Bezirk Neukölln ist das am deutlichsten. 13.069 Menschen zogen 2013 nach Neukölln – so viele wie in keinen anderen Bezirk der Stadt. Das ändert nicht nur die Bewohnerstruktur, sondern auch die Wohnungspreise. Auf immowelt.de findet man Angebote für das gesamte Stadtgebiet, aber besonders der ehemalige Arbeiterbezirk ist begehrt. Trotz steigender Preise in Berlin und im gesamten Bundesgebiet sieht man bei der Bundesbank aber keine Gefahr für eine Immobilienblase.

Angespannter Immobilienmarkt in München

Das Prinzip von Angebot und Nachfrage trifft hier vollkommen zu. Vermieter und Verkäufer können nahezu jeden Preis verlangen, wenn sich nur jemand findet, der es bezahlt. Denn bei Immobilien ist der Staat sehr verhalten in der Deckelung. Dass das zu einem echten Problem werden kann, zeigt sich eindrucksvoll am Beispiel München. Wohnraum in der bayrischen Landeshauptstadt ist so teuer, dass sich selbst gutverdienende Singles in den 30ern noch oftmals in Wohngemeinschaften zusammen tun müssen, um sich eine schöne Wohnung in zentraler Lage leisten zu können. Alleinerziehende und Geringverdiener werden zum Teil durch die hohen Mietpreise aus der Stadt vertrieben. Die Immobilienbranche selbst sieht sich selbst kaum in der Verantwortung, man arbeitet nach dem Credo: der Markt reguliert die Preise und Eigentumsverhältnisse sind vom Staat nicht zu regulieren. Das mag auch so stimmen, jedoch geht diese rigorose Haltung zu Lasten der Normalverdiener. Staatliche Regulierungen durch Maßnahmen wie eine Mietpreisbremse würden nur weiteren Druck aufbauen und den Neubau von Immobilien ausbremsen, so die Einschätzung der Bundesbank.

Als Geldanlage sind Immobilien im Prinzip keine schlechte Sache. Als Immobilienbesitzer hat man neben der Aufgabe, seine Wertanlage in Schuss zu halten allerdings auch eine Gewisse soziale Verantwortung. Exorbitante Mieten zu verlangen ist nicht nur unmoralisch, sondern zerstört auf mittel- und langfristige Sicht Mieterstrukturen und den Charakter des Bezirkes. Dessen sollte man sich als Vermieter bewusst sein. Denn was nützt einem die schönste Immobilien, wenn sie am Ende keiner bezahlen kann?


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