Das Angebot an guten und sogar sehr guten Automobilen ist so groß wie nie zuvor. Technologie und Verarbeitungsstandard haben einen hohen Level erreicht; Mittelmäßigkeit kann sich im Kampf um Marktanteile kein Wettbewerber mehr erlauben.
Die Auswahl in der Topkategorie hingegen ist so klein, wie sie immer schon war. Bei den Limousinen und Reisecoupés der Weltspitzenklasse sind es gerade zehn Fabrikate, die wirklich höchsten Ansprüchen gerecht werden, hinzukommen eine Handvoll Hersteller exklusiver Hochleistungssportwagen.
Was den besten vom guten (und damit eben nur zweitbesten) Wagen unterscheidet, ist das hohe Maß handwerklicher, individueller Arbeit, die in ihm streckt, und ein überdurchschnittlicher Aufwand in der Verwendung von Materialien, deren Einsatz sich aus wirtschaftlichen Gründen in jedem anderen Modellsegment verbieten muss. Wesentlichen Anteil am Gesamteindruck eines Luxuswagens haben beispielsweise handgenähte Lederbezüge auf allen Oberflächen im Interieur, die den Tast- und Geruchssinn ansprechen.
Sie werden aus feinstem Leder angefertigt.
Aber auch die beste Qualität birgt mitunter winzige Fehler und kleinere Unzulänglichkeiten und die zu erkennen bedarf es jahrelanger Erfahrung. Kein Computer nimmt einem Experten diese Arbeit ab. Für den viersitzigen Bentley Continental GT werden elf bis zwölf Häute benötigt, für den großen Maybach 62 sechzehn bis achtzehn.
Ein solches Auto ist kein Produkt vom Band, sondern entsteht in unzähligen Arbeitsgängen in besonderen, abgeschlossenen Abteilungen, Manufakturen im Wortsinne. Kundenwünschen in Bezug auf spezielle Ledersorten, ausgewählte Edelholzfurniere, Fahrwerksspezifikationen, Informations-Elektronik und Speziallackierungen wird ebenso Rechnung getragen, wie man es dem Auftraggeber gestattet, den Prozess der Fertigstellung seines Wagens persönlich zu verfolgen, so oft und so lange er es möchte. Denn auch das gehört zur Faszination, die nur den „happy few“ zuteil wird: der ganz persönliche Kontakt mit den Menschen, die sein Auto bauen. Das beginnt bei der Besprechung aller Details bei der Auftragsformulierung und endet noch nicht bei der Übergabe des Fahrzeugs bei einem Glas Champagner. Denn auch eine ganz individuelle Kundenbetreuung gehört zum VIP-Service: Chauffeurs-Instruktionen, gegebenenfalls Vorkehrung von besonderen Sicherheitsmaßnahmen, Valet-Dienste an Flughäfen und beim Hotelbesuch auf Reisen.
Die Möglichkeit, sich einen Wagen weitgehend nach eigenen Vorstellungen ausstatten zu lassen, gehörte einst zu den Selbstverständlichkeiten in der automobilen Oberklasse. Doch erst vor sechs, sieben Jahren hat die Automobilindustrie sich auf diese Tradition besonnen und sie wieder eingeführt. Zwar hatten vereinzelt Manufakturen wie Alpina in Buchloe oder Franco Sbarro in Grandson am Neuenburger See sowie ein paar Spezialisten in England Individualisierungen in mehr oder weniger begrenztem Umfang schon immer durchgeführt, aber dem Kunden eine solche Gelegenheit im Rahmen einer besonderen Serviceleistung ab Werk zu bieten, gibt es noch nicht (wieder) sehr lange. Bentley und Jaguar fingen damit an, BMW folgte mit dem „Individual“-Programm, Audi gründete hierfür eigens eine Quattro GmbH.
Als Anbieter im Topsegment der repräsentativen, in besonderem Maße komfortbetonten Superlativ-Limousinen gelten (in alphabetischer Reihenfolge) Audi, Bentley, BMW mit Alpina, Jaguar mit Daimler, Lexus, Maserati, Maybach, Mercedes-Benz mit AMG, Porsche sowie Rolls-Royce. Im substanziellen Sinne bieten sie alle einen Höchstwert fürs Geld und in Relation zum Gestehungsaufwand sind ihre Produkte sogar ausgesprochen preiswert. Es sind die Flaggschiffe, deren Anfertigung in aller Regel mehr kostet als sie einbringen. Sie entstehen aber auch nicht, um Konzernprofite zu mehren, sondern um das Markenprestige in besonderem und vor allem in sympathischem Glanz erscheinen zu lassen. „Ich werde niemals Autos verkaufen, deren Markenname nicht Sympathieträger ist“, hat Ex-BMW-Vorstand Dr. Wolfgang Reitzle gesagt, als er Jaguar-Boss der Premier Auto Group wurde.
Luxusmobile in der Übersicht
Audi
Mit dem Audi A8 quattro 6.0 Liter ist nur eines der technisch am höchsten stehenden, sondern auch formal besten Automobile deutscher Herkunft entstanden, verbunden mit einem gewissen Understatement. Einen »Vorsprung durch Technik« nimmt Audi für sich in Anspruch, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn der große Audi zeichnet sich auch durch einen Vorsprung an Design und vornehmer Interieur-Gestaltung aus, die ein hohes Maß an Eigenständigkeit zeigt: Sie folgt weder italienischen noch britischen Leitbildern. 120.000 Euro sind gut angelegtes Geld für ein Stück deutscher Wertarbeit im Feinschliff.
Bentley
Jahrzehnte lang war ein Bentley ein Rolls-Royce mit einem anderen Kühlergrill. Ihre eigene Ausprägung erfuhr die Marke erst mit der Einführung des Turbomotors, den kein Rolls-Royce hatte, und mit der Vorstellung des Arnage Red Label 1999 (ab 2002 mit Doppel-Turbo-V8 und 457 PS) hatte die Welt endlich wieder ein als Limousine getarntes 273-km/h-Kraftwerk, das den Anspruch einer Alleinstellung erfüllte. Seit der Trennung von Rolls-Royce im Sommer 1998 bleibt Bentley weiterhin auf der Überholspur. Rechnen Sie mit 250.000 bis 300.000 Euro Anschaffungspreis. Das Continental GT Coupé lassen wir unter der Kategorie Sportwagen antreten.
BMW und Alpina
Der heutige 7er BMW ist der feinste BMW, den es je gab. Vor allem in der Langchassis-V12-Version (118.000 Euro) mit 445 PS starkem V12-Motor, Luftfederung und elektronisch gesteuertem Fahrwerk: HighTech pur. Nur das Karosseriedesign gefällt (zum Glück) nicht jedem. Beim 645Ci Coupé, seit 2004 auch als Cabrio angeboten, sind sich die Blau-Weiß-Süchtigen jedoch einig: Der »Sechser« ist als Premiumfahrzeug eine Klasse für sich. Die Offroad-Limousine X5 jedoch hat es inzwischen schwer, gegen den Porsche Cayenne zu bestehen. So oder so lässt sich bayerisches BMW-Feeling aber noch steigern: durch einen Alpina. Der 500 PS starke BMW Alpina B7 mit Kompressor (117.000 Euro) wird in jeder Farbe geliefert, sofern sie ein feines Dunkelblau der Admiralität ist; jede andere Lackierung wäre einfach nicht standesgemäß.
Jaguar und Daimler
Es gab Zeiten, in denen man Besitzer eines Jaguars (oder eines Wagens der Schwestermarke Daimler) bedauerte und nicht beneidete. Das ist zum Glück seit 1990 vorbei. Ein Jaguar ist heute längst wieder ein Qualitätswagen klassisch-britischer Noblesse; er gilt als das Auto der Individualisten und Nonkonformisten. Die Wildkatze aus Coventry hat außer ihrem feinen Charme auch tierischen Biss: Der 395 Kompressor-PS-starke XJR geht ab wie eine Rakete. Für anglophile Chromverächter mit einem Faible für edles Holz und feines Leder – alles very british – ist der rassige XJR für knapp 100.000 Euro geradezu ein Schnäppchen: Er sieht nach doppelt so viel aus und fühlt sich auch so an, wenn man(n) ihn streichelt.
Lexus
Das Haus Toyota war gut beraten, für ihr Topmodell eine eigene Marke zu kreieren. Und Lexus klingt nicht nur von ungefähr so wie Luxus: Der 4,3-Liter-V8 im LS 430 ist ein Spitzenmotor in einem Spitzenwagen, der beispielsweise in den USA längst einige Vertreter des europäischen Automobil-Hochadels in die zweite Reihe gedrängt hat. Um mitreden zu können, was der Lexus zu bieten vermag, muss man ihn gefahren haben. Fernöstliche Spitzentechnik gestattet auch der bullige Lexus LX470, der sogar noch ein richtiges Chassis besitzt. Der 4,7-Liter-Vierventiler mit vier oben liegenden Nockenwellen ist zudem ein Motor, wie ihn italienische Konstrukteure auch nicht besser hinbekommen hätten. 75.000 Euro, und Sie sind dabei.
Maserati
Nach bemerkenswert langer Pause bietet Maserati wieder einen Quattroporte ein, eine extrem sportlich konfigurierte Luxuslimousine, deren traditionsreiche Ahnen gleicher Bezeichnung (1963-1970, 1976-87) schon Kultstatus erlangten. Der jüngste Hochleistungs-Tourer ist das derzeit einzige Fahrzeug im Segment anspruchsvoller Viertürer aus Italien, das nicht nur hohen, sondern höchsten Erwartungen gerecht wird. Ein handwerkliches Meisterstück, weitaus mehr wert als die verlangten 100.000 Euro, von zeitloser Eleganz, frei von kurzlebigem Modeschnickschnack und dabei stark wie ein doppelter Espresso. Und er hat bei uns großen Seltenheitswert, das macht ihn erst recht interessant.
Maybach
Siebenundfünfzig Jahre dauerte es, bis die alte deutsche Luxusmarke Maybach ihre Wiederbelebung erfuhr. Schon in den Dreißigern war ein Maybach V12 »Zeppelin« der teuerste Wagen made in Germany, ein Status, den sich der rund 5,70 m lange Typ 57 und der 6,20 m lange Typ 62 ebenfalls zugute halten dürfen. 550 Mercedes-PS flüstern unter der Motorhaube der 2,7 bzw. 2,8 Tonnen schweren Limousine, die selbst zu lenken einen Mangel an Stil- und Standesbewusstsein verraten würde. Das Maybach-Kilogramm stellt man Ihnen mit rund 137 bis 152 Euro in Rechnung, das darf als angemessen gelten. Doch die Massigkeit des Wagens täuscht: Der gutmütige Riese beschleunigt von Null auf 100 km/h in 5,2 Sekunden – und damit wie ein Porsche 911 Carrera! Erlauben Sie Ihrem Chauffeur dennoch nicht, dieses Spurtvermögen zu demonstrieren. Es genügt doch, wenn man davon überzeugt ist, dass er’s kann.
Mercedes-Benz und AMG
Halten wir uns nicht bei der A-, B-, C- oder E-Klasse und deren Pannenhäufigkeiten auf, sondern kommen wir gleich zur Sache. Wenn schon Mercedes-Benz, dann S600. Automobiler Biturbo-Superlativ in schwäbischer Bestform. Sie konnten schon immer sehr gute Autos bauen im Musterländle, doch die neue V12-S-Klasse ist das Feinste, was man »beim Daimler« je geschaffen hat. Zwar kann man einen Superlativ nicht steigern, aber im Falle des S600 geht das: Indem man das 130.000 Euro teure Auto beim Veredler AMG als S65 bestellt. Der verwandelt für 50 Prozent Aufpreis die 500 PS Motorleistung in üppige 612 und verschönert die rasende VIP-Lounge noch um ein paar angenehme Details. Seine Coupéversion CL65 bietet das Gleiche auf 17 Zentimeter weniger Länge. Je kürzer, desto teurer: 220.000 statt 200.000 Euro kostet das Coupé im Zeichen des Mercedessterns. Die Coupélimousine CLS mit identischer Technik lässt die eigentlich schon von vier Jahrzehnten ad acta gelegte hohe Gürtellinie mit geringer Kopffreiheit wieder aufleben: Hoher Aufmerksamkeitswert gegen Preisgabe unabdingbaren Raumkomforts in dieser Klasse. Aber man kann eben nicht alles haben.
Porsche
Seitdem klassische Limousinenhersteller im Sportwagensegment räubern, hat Sportwagenhersteller Porsche auch kein Problem, eine Luxus-Allradlimousine anzubieten. Mit dem Ende 2002 eingeführten Cayenne (in etwa baugleich mit dem VW Touareg) landeten die Zuffenhausener einen Volltreffer: Am Steuer dieses Offroaders der High-Performance-Klasse stiehlt man nicht nur auf Karpaten- oder Dolomiten-Pfaden, sondern auch auf der Autobahn und erst recht auf der Düsseldorfer Königsallee jedem Range Rover (sorry, Freunde) die Show. Aber dieser Porsche-Truck (rund 100.900 Euro) sieht nicht nur verdammt gut aus; die 340 PS im 4,5 Liter Cayenne sind für ein Drehmoment gut, das für die Eiger-Nordwand taugt…
Rolls-Royce
Als eine der Säulen des britischen Empire ist die Marke Rolls-Royce mehr als ein Automobilfabrikat – sie ist ein Mythos. Sie existiert seit 1904 (mit wechselnden Besitzverhältnissen) und genießt die Reputation, für die besten Autos der Welt zu stehen. Dennoch wurde nicht jeder Rolls-Royce diesem Anspruch gerecht. Der gegenwärtig in Goodwood fabrizierte Phantom jedoch qualifiziert sich ohne den geringsten Zweifel für diese hohe Auszeichnung, wobei ein besonderer Umstand eine Rolle spielen mag: Etwa ein Drittel der Komponenten, die heute einen Rolls ausmachen, kommen aus Deutschland, ob es dem Buckingham Palace gefällt oder nicht. Die Motorkraft der rollenden 12-Zylinder-Festung gibt der Hersteller mit 460 PS an – einst schwieg man sich über Leistungsdaten vornehm aus. Auch der Preis eines Phantom von 380.000 Euro wird heute nicht mehr als Insider-Geheimnis gehandelt. Im Übrigen gilt das, was die RR-Werbung schon 1937 verhieß: Den Preis des Wagens werden Sie längst vergessen haben, während seine Qualität ewigen Bestand hat…
Informieren Sie sich auch, welche der gegenwärtig angebotenen Sportwagen zur exklusiven Spitzenklasse gehören.
Artikelfoto © andreas – Fotolia.com
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1 Kommentar
[...] Sie auch, welchen Automarken Luxusstatus zugeschrieben werden kann. AKPC_IDS += "499,";Popularity: 3% [?] [...]
Geschrieben am 16. Oktober 2009 at 12:30
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