Wird ein eheliches Kind geboren, erhalten beide Elternteile das Sorgerecht und die Sorgepflicht für das Neugeborene. Dieses elterliche Sorgerecht kann durch bestimmte Umstände gemindert oder ganz beendet werden. Dafür müssen jedoch gewichtige Gründe vorliegen wie zum Beispiel Tod der Eltern, Freigabe des Kindes zur Adoption oder die Entziehung des elterlichen Sorgerechts durch das Jugendamt, wenn dafür schwerwiegende Gründe vorliegen. Hier kommen oft die Großeltern ins Spiel. Doch diese erhalten das Sorgerecht nicht zwangsläufig.

Prüfung des Sorgerechtes

Mit der Beendigung des elterlichen Sorgerechts folgt nicht zwangsläufig das Sorgerecht der Großeltern für das Kind. Nach Wegfalles des elterlichen Sorgerechts wird zunächst geprüft, ob es unter den Verwandten des Kindes Personen gibt, die das Sorgerecht übernehmen könnten und auch in der Lage sind, die Vormundschaft auszuüben. Die Großeltern haben hierbei wegen des engen Verwandtschaftsverhältnisses das Vorrecht auf die Übertragung des Sorgerechts für das Enkelkind. Bei der Übertragung des Sorgerechts auf die Großeltern sind schon bestehende enge Familienverhältnisse zu berücksichtigen. Bei einer Eignung der Großeltern ist die Übertragung des Sorgerechts auf die Großeltern dem Jugendamt vorzuziehen.

Kindergeld, Vormundschaft und Adoption

Wird den Großeltern das Sorgerecht übertragen und lebt das Enkelkind im Haushalt der Großeltern, haben diese auch Anspruch auf Kindergeld. Dafür ist beim Vormundschaftsgericht ein Nachweis der Übertragung des Sorgerechts auf die Großeltern zu beantragen und bei der Familienkasse vorzulegen. Haben die Großeltern noch eigene minderjährige Kinder im Haushalt zu versorgen, dann werden zuerst die eigenen Kinder gerechnet und nachfolgend das oder die Enkelkinder, denn die Kindergeldsätze richten sich nach der Gesamtanzahl der im Haushalt lebenden Kinder.
Großeltern können durch verschiedene Anträge Einwirkungsrechte erreichen. Dazu gehören die Beantragung der Adoption, Vormundschaft oder Pflegschaft für das Enkelkind.

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht

Die leiblichen Eltern des Kindes können per Aufenthaltsbestimmungsrecht bestimmen, dass das Kind bei den Großeltern lebt. Das gilt nur für den Fall, dass die Eltern noch das Sorgerecht besitzen. Damit verbinden sich für die Großeltern nur wenige Rechte und zudem kann die Bestimmung jederzeit rückgängig gemacht werden. In dem Fall können die Eltern durch eine Anspruchsabtretungsanzeige vor der Familienkasse bewirken, dass die Großeltern das Kindergeld für das Enkelkind beantragen können. Das Enkelkind gehört dann zum Haushalt der Großeltern und kann steuerlich geltend gemacht werden.

Übertragung der Pflegschaft

Bei einer Übertragung der Pflegschaft auf die Großeltern kann diese zeitlich begrenzt oder auch bis zur Volljährigkeit des Enkelkindes übertragen werden. Bei einer Pflegschaft haben die Großeltern mehr Rechte als bei einer alleinigen Aufenthaltsbestimmung. Die Pflegschaft ist gleichbedeutend mit einer Teilvormundschaft. Die Großeltern sind für alle Angelegenheiten zuständig, die die sorgeberechtigten Eltern aus den verschiedensten Gründen nicht erledigen können. Die Pflegschaft wird auf Antrag oder bei Wegfall der Umstände, die zur Übertragung der Pflegschaft geführt haben, beendet.
Möchten Eltern testamentarisch festlegen, wer das Sorgerecht für die Kinder erhält, wenn den Eltern etwas zustößt, so kann von den Eltern im notariellen Testament ein Vormund benannt werden. Tritt der Fall dann tatsächlich ein, wird vom Jugendamt vorrangig die Möglichkeit geprüft, das Sorgerecht auf den im Testament genannten Vormund (Großeltern) zu übertragen.

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Foto: © insektivor212 – www.pixelio.de

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