Als im Mittelalter die ersten Stiftungen gegründet wurden, waren sie eine persönliche Form des Ablass für den Stifter. Der Stifter tat Gutes und sicherte sich seinen Platz im Paradies. Heute verfolgen Stiftungen ähnliche Ziele. Mit einer Stiftung kann man der Gesellschaft in einem bestimmten Bereich helfen, sich zu verbessern und sie somit bereichern.

Ulrich Brömmling Stiftungsexperte

Ulrich Brömmling gilt als der Stiftungsexperte in Deutschland. Er hilft seinen Klienten unter anderem, Stiftungen aufzubauen und gibt Tipps zur Verbesserung der Wirkungsweisen einer Stiftung.

Außerdem ist Brömmling ein Skandinavien-Kenner, der neben Norwegisch und Schwedisch auch Dänisch spricht. So hat er nicht nur Bücher und Artikel, zum Beispiel bei der FAZ, zum Thema “Stiften” veröffentlicht, sondern auch für DIE ZEIT einige Artikel zu Themen der deutsch-skandinavischen Freundschaft geschrieben. Sein Ratgeber “Leben und Arbeiten in Norwegen” stieß auf breites Interesse.

Für Gentleys gibt Ulrich Brömmling ein Interview zum Thema “Die Kunst des Stiftens”.

Gentleys: Herr Brömmling, in Ihrem Beitrag für unseren Gentleys-Ratgeber sagen Sie: „Stiftungen boomen“. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Ulrich Brömmling: Stiften ist schick geworden, der Staub ist verflogen. Ob Leonardo di Caprio, Bill Clinton, Michael Phelps oder Phillpp Lahm: Die wirklich coolen Promis haben inzwischen alle ihre eigene Stiftung. Dazu kommt natürlich, dass wir sehen, dass der Staat längst nicht mehr alles allein bewältigen kann.

Gentleys: Thema Steuerersparnis: Wie sehen die Vorteile hier im Einzelnen aus?

Ulrich Brömmling: Die Steuerersparnis gibt es in dreierlei Hinsicht:

  • Zum einen ist das gestiftete Kapital weitestgehend steuerbefreit: Bis zu einer Million Euro kann man steuerfrei alle zehn Jahre in eine neue oder schon bestehende gemeinnützige Stiftung geben, außerdem jährlich bis zu 20 Prozent des zu versteuernden Einkommens. Im Erbfall entfällt die Erbschaftssteuer, wenn man rechtzeitig stiftet.
  • Zum zweiten kann weggegebenes Kapital den Einkommensteuersatz verringern.
  • Und das beste zum Schluss – das gibt es fast nur in Deutschland: Man kann auch bei einer gemeinnützigen Stiftung eine so genannte „Stifterrente“ vorsehen und erhält bei Bedarf ein Drittel der Erträge für den Lebensunterhalt.

Gentleys: Gibt es eine vorgeschriebene Mindestsumme bei der Errichtung einer Stiftung? Wie hoch ist diese?

Ulrich Brömmling: Eine Stiftung ist bereits ab 50.000 Euro Stiftungsvermögen machbar. Dann ist man allerdings auf zusätzliche jährliche Spendeneinnahmen angewiesen. Wirklich sinnvoll ist eine Stiftung ab einer halben Million.

Gentleys: Welche Formalitäten muss man beim Aufbau einer Stiftung berücksichtigen?

Ulrich Brömmling: Der Stiftungszweck sollte gemeinnützig sein, damit man die steuerlichen Vorteile nutzen kann. Aber wenn man sich erst einmal zur Stiftungserrichtung entschlossen hat, sind die Hürden niedrig:

Ein „Stiftungsgeschäft“ – das ist die Erklärung, dass man eine Stiftung errichten will –, eine Satzung und das entsprechende Vermögen.
Dann braucht es eigentlich nur noch eine kurze Beratung durch einen Stiftungsexperten, und schon kann man bei der staatlichen Stiftungsbehörde die Stiftung anmelden.

Gentleys: Auf den Punkt gebracht: Welche Vorteile bringt eine Stiftung für den Gründer mit sich?

Ulrich Brömmling: Der Stifter kann mit beträchtlichen Mitteln die Gesellschaft an genau den Punkten bewegen und verändern, die ihm wichtig sind – und das Ganze steuerfrei. Wer die Musikszene in seiner Stadt fördern will, kann das mit einer Stiftung tun. Wem es eher um die Kultur des Weinbaus geht, der kümmert sich darum. Sport, Gesundheit, Kunst, Bildung, Umwelt, Soziales, Wissenschaft – der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt.
Zweiter Vorteil für den Stifter: Es tut etwas für seinen guten Ruf. Auch wenn Deutschland eine Neidgesellschaft ist: Auf lange Sicht bleiben die Stifter als hochgeachtet Geber in den Köpfen der Freunde, Geschäftspartner, Bekannten.

Gentleys: Worin bestehen die Vorteile einer Stiftung für die Gesellschaft?

Ulrich Brömmling: Der Einzelne weiß oft besser, woran es seiner Umgebung mangelt, – welche Projekte in der eigenen Stadt wichtig und sinnvoll sind – als der Staat, der kaum gezielt fördern kann und nach dem Gießkannenprinzip verteilen muss. Durch Stiftungen lassen sich viele gute Ideen umsetzen.

Die Integrationsprobleme wären deutlich höher ohne Stiftungen. Theater und Museen müssten schließen, Sportvereine dichtmachen. Ein neues Ruderboot, eine Suppenküche, ein Golfturnier, ein Jugendclub, ein Besuchsdienst für Ältere, ein Stadtfest, eine neue Grünanlage: alles Kleinigkeiten für sich genommen – in Summe aber alles unverzichtbare Dinge, mit denen Stiftungen die Gesellschaft bereichern.

Gentleys: …… und die Nachteile?

Ulrich Brömmling: Wer unbedingt mäkeln will, findet auch hier sicher etwas. Schwarze Schafe gibt es überall. Gruppen, die unter sich bleiben, keine wirkliche Verteilungsgerechtigkeit, Interessenkonflikte, fehlende Transparenz, vergeudete Gelder wegen unprofessioneller Arbeit. Aber ganz klar: Die Vorteile der Stiftungsaktivitäten überwiegen die Nachteile deutlich.

Gentleys: Für welche Zwecke engagieren sich Stiftungen denn statistisch am häufigsten?

Ulrich Brömmling: Soziales steht immer noch ganz oben: Jede dritte Stiftung hat hier ihren Arbeitsschwerpunkt. Dann folgen Bildung, Kultur und Wissenschaft ziemlich gleichauf. Umwelt hinkt noch ein bisschen hinterher, holt aber stark auf.

Gentleys: Wir danken Ihnen ganz herzlich für das Interview.

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