Viele träumen davon, einen besonderen Status zu erlangen, der einem die Türen zur Macht öffnet und einen vor der Willkür der Behörden schützt. Der beste und gängigste Weg ist die legale Erlangung eines Diplomatenpasses, was einem natürlich nicht von alleine in den Schoß fällt. Arbeit und Engagement sind damit verbunden. An dieser Stelle möchte ich Sie vor dubiosen Anbietern warnen, die im Internet oder in Anzeigen Diplomatenpässe anbieten. Häufig auch “echte“ Diplomatenpässe, die jedoch meist nichts anderes sind als gefälschte oder wertlose »Camouflage-Pässe« nicht existenter Staaten. Zudem werden gestohlene oder gefälschte Dokumente über Angehörige diplomatischer Vertretungen verkauft. Einige Anbieter verbergen sich hinter Briefkastenfirmen in Steueroasen und nur Ihr Bestes wollen: Ihr Geld. 

Alle nachfolgenden Ausführungen dienen nur der Unterhaltung und stellen keine Aufforderung zu strafbaren Handlungen dar.

Der Diplomatenstatus


Die Beziehungen zwischen verschiedenen Staaten werden durch schriftliche Vereinbarungen und unausgesprochene Regeln bestimmt. Die diplomatischen Beziehungen und deren Regeln und Vorschriften wurden 1961 im »Wiener Abkommen« festgehalten. Verbindlich ist die Konvention allerdings nur für jene Staaten, deren Repräsentanten die Vereinbarung unterzeichnet haben.

Das Errichten einer Botschaft bedingt eine so genannte »Akkreditierung«, eine Erlaubnis seitens des jeweiligen Staates. Mit der offiziellen Akkreditierung wird dem Personal und den Gebäuden gleichzeitig der Diplomaten-Status verliehen: das Gebäude samt Grundstück werden zu einer Insel bzw. zu einem kleinen Staat im Staat. Nach den Wiener Regeln unterteilt sich das Botschaftspersonal in drei Klassen. Zur ersten Klasse gehören:

 Botschafter  Minister

 Gesandte  Chargé d’affaires

Zur zweiten Klasse gehören die Mitglieder des Botschaftsstabes (Kofferträger, Referenten, Sekretäre o. Ä.). Auch diesen wird die volle diplomatische Immunität gewährt. Die dritte Klasse ist das Personal (Bodyguards, Butler, Fahrer usw.). Hier gibt es eine begrenzte Immunität, die sich nur auf die Arbeitszeit beschränkt.»Immun« bedeutet »unangreifbar«. Die diplomatische Immunität regelt die Wiener Konsular¬rechtskonvention in den Artikeln 22, 23, 27 und 29ff. Hier wird zunächst von der Unangreifbarkeit der Botschaftsräumlichkeiten geschrieben.

Der Diplomatenpass


Es gibt drei Arten von Pässen

1. Diplomatenpass

2. Dienstausweis

3. Normaler Pass

Staaten mit einem ernst zu nehmenden, anerkannten Corps stellen in der Regel nur Diplomaten-Pässe an Botschaftsangehörige, die direkt zum Corps gehören, aus. Eine Sekretärin kann durchaus einen Diplomatenpass erhalten, während ein gewöhnlicher Fahrer nur einen Dienstausweis erhält. Benötigen die Botschaftsangehörigen und -angestellten aufgrund einer politischen Situation einen besonderen Schutz, z.B. vor der Willkür des Behördenapparates im Empfängerland, kann natürlich auch dem Gärtner ein Diplomatenpass ausgestellt werden. Der Status kann bei unehrenhaftem Verhalten entzogen werden. Auch ein Gerücht reicht schon (denken Sie an die Story des Schweizer Botschafters in Berlin). Eine »persona non grata« ist eine Person, die im diplomatischen Dienst unerwünscht ist.

Vorteile eines Diplomatenpasses

Die Vorteile ergeben sich zum einen aus der Festlegung der Begrifflichkeit der Immunität, zum anderen aus der Exklusivität:

Immunität


So kann es bei einer von der Polizei durchgeführten Kontrolle schon hilfreich sein, wenn man einen Diplomatenpass vorweisen kann, um behaupten zu können, dass das Auto – in dem Sie angetrunken sitzen – ein Hoheitsgebiet sei. Ferner sind Sie sicher vor Durchsuchungen Ihres Gepäcks am Flughafen, auch vor Hausdurchsuchungen.

Prestige

Wenn Sie die Wahl zwischen einem Porsche und einem Diplomatenpass haben, nehmen Sie den Porsche. Wenn Sie den Porsche ohnehin schon fahren, ist ein Diplomatenpass die Krönung. Exotik verführt und man wird sich fragen, was sich hinter Ihnen wirklich verbirgt. Sie vermitteln den Eindruck des Weltmannes, der internationale Beziehungen besitzt. Wissen Sie es geschickt einzusetzen, können Sie Ihren neuen Pass auch geschäftlich nutzen.

Schutz

Natürlich können Sie mit Ihrem Diplomatenpass genauso wie mit einem normalen Reisepass reisen. Besonders bezahlt macht sich das Dokument aber in Staaten, in denen entweder Geld (sprich: Korruption) oder Obrigkeitshörigkeit alles ist. Hier kann Sie das Dokument vor Willkür bewahren. Als Diplomat wird man in Ihnen einen “Übermenschen” sehen. Keiner wird sich mit Ihnen anlegen, denn Sie haben großen Einfluss.

Die Erlangung eines Diplomatenpasses

Wenn Sie einen Diplomatenpass, den Diplomaten-Status, ein Konsulat oder den »Lettre de Chancellerie« erlangen wollen, sind Sie auf die Zusammenarbeit mit einem Repräsentanten eines fremden Staates angewiesen. Aber wie erhalten Sie einen Pass, ohne dem Botschafteralltag zu frönen, ohne sich offiziell beim Auswärtigen Amt zu bewerben?

Der offizielle Weg

Werden Sie »Diplomat ad hoc« – ein »Situationsdiplomat».

Nehmen wir an, dass irgendwo eine multinationale Konferenz abgehalten wird. Thema: Die Verschuldung der Dritten Welt und die allgemeine Wirtschaftslage. Alle beteiligten Staaten schicken Delegierte auf diese Konferenz. Einige davon sind sicher Diplomaten. Da es sich um ein Finanzprojekt handelt, ist es aber auch durchaus denkbar, dass ein Mitglied der Delegation ein Bankier ist. Dieser erhält für diese Zeit den »Diplomatenstatus ad hoc«.

Business kann somit ein Grund sein, Prestige ein anderer: Der südafrikanischen Sängerin Miriam Makeba wurde von verschiedenen schwarzafrikanischen Staaten ein Diplomatenpass ausgestellt. Diese Staaten waren einfach stolz darauf, einer so berühmten Sängerin die Möglichkeit, frei zu reisen und sich in einer Diktatur frei zu bewegen, bieten zu können.

Der »Diplomat ad hoc« genießt also die volle diplomatische Immunität, ohne von irgendeiner Regierung als Diplomat akkreditiert worden zu sein. Seine Berufung hängt von der jeweiligen Situation und seiner Aufgabe ab.

Andere Wege

Sollte Ihnen der vorab genannte Weg zu offiziell oder zu unrealistisch erscheinen, nenne ich Ihnen im Folgenden vier Alternativen.

1. Sie kaufen den Pass von einem Vermittler. Seriöse Vermittler haben es nicht nötig, in der Tagespresse zu inserieren, sie verkaufen durch Mundpropaganda. Die Preise liegen zwischen 25.000 und 100.000 Euro. Natürlich ist dieses Vorgehen illegal.

2. Der Außenminister stellt Ihnen das Dokument aus. Vielleicht versuchen Sie es mit einem kleinen Geschenk (ein kleiner Porsche oder so) für den “Genscher von Nepal”. Arme gemäßigte Diktaturen sind für diesen Zweck günstiger als Demokratien. Natürlich ist dieses Vorgehen ebenfalls illegal.

3. Sie lassen sich von einem willigen Staat zum Konsul ernennen. Aufgrund dieses Verdienstes wird man Ihnen unter Umständen auch den Diplomatenpass einer europäischen Nation ausstellen. Fragen Sie bei den Botschaften an. Geld darf dabei natürlich keines fließen.

4. Sie besorgen sich einen »Lettre de Chancellerie«, die Bestätigung eines Konsulates oder einer Botschaft, die belegt, dass Sie im Auftrag der jeweiligen Regierung handeln. So könnte Ihnen z.B. die Botschaft von Myanmar die Bestätigung ausstellen, dass Sie den Auftrag haben, die deutsche Bevölkerung dazu zu bewegen, anstatt Currywurst mit Pommes nur noch Reis zu essen. Mit dem »Lettre de Chancellerie« beantragen Sie nun beim Auswärtigen Amt Ihren deutschen Diplomatenpass, der jedoch vermutlich und zu Recht abgelehnt wird.

Anerkennung des Diplomatenpasses

Wenn Sie einen Diplomatenpass einer europäischen Nation oder eines anderen entwickelten Staates in der Hand halten, brauchen Sie sich nicht den Kopf zu zerbrechen. Ihr Dokument hat über¬all seine Wirkung, auch wenn Sie sich mal nicht im Dienst befinden. Sie können überall hin-reisen, auch in Nationen, die mit dem Staat, dessen Diplomat Sie sind, keine Beziehungen haben.

Probleme kann es geben, wenn es sich um einen diplomatischen Pass eines Staates handelt, der nur von einem einzigen Staat anerkannt wird – z.B. Venda. Dieser Landstrich wird nur von Südafrika als autonomer Staat anerkannt. Taiwan hat ähnliche Probleme. Nur ca. zwanzig Staaten erkennen Taiwan als souveränen Staat an.

Wo bekomme ich am leichtesten einen Diplomatenpass?

In dieser Rubrik möchte ich Sie mit den diplomatischen Gepflogenheiten vertraut machen und Ihnen aufzeigen, wie man Diplomat wird. Dass nicht jedermann in jedem Staat Diplomat werden kann, ist klar. Es ist daher notwendig, bestimmte Staaten mit ähnlichen Anforderungsstrukturen in Gruppen zusammenzufassen. Je nach Ihrem eigenen Profil, sprich »Human Capital«, also Ihrer persönlichen Ausstattung mit Bildung und Ihrem anderen Kapital, müssen Sie die Entscheidung selber treffen. Es gibt neun Gruppen.

Gruppe 1

Diese Staaten können Sie eigentlich gleich wieder vergessen, denn hier gibt es keinen Weg, das zu bekommen, was Sie wünschen. Zu dieser Gruppe gehören: Afghanistan, Algerien, Angola, Bulgarien, Volksrepublik China, Kuba, Iran, Libyen, Rumänien, Russland, Ukraine, Vietnam, Nordkorea und Zimbabwe.

Gruppe 2

Diese sind de jure unabhängige Staaten, und sie sind normalerweise auch offen für jede Art von Geschäften. Die “auswärtigen” Angelegenheiten werden jedoch von anderen Nationen übernommen. Es ist theoretisch zwar möglich, durch diese Staaten in den diplomatischen Status erhoben zu werden, aber in der Realität ist das eher ungewöhnlich. Zu diesen Staaten gehören: Andorra, Bhutan und Liechtenstein.

Gruppe 3

Diese de jure unabhängigen Staaten sind de facto sehr abhängig von anderen Staaten und deren Repräsentanten im Ausland. Es empfiehlt sich, die aktuelle politische Situation in den nachstehend angeführten Kleinstaaten näher zu untersuchen. Diese Staaten sind: Nauru, Palau, Mikronesien und die Marshall-Inseln.

Gruppe 4

Diese Staaten sind durchaus in der Lage, Ihnen den Diplomaten-Status, den Diplomatenpass oder ein Konsulat zu übertragen. Sie wären aber verrückt, diese zu beantragen, wenn Sie kein ergebener Moslem sind. Ferner sollte der Regierungschef des entsprechenden Staates zu Ihren persönlichen Freunden gehören. Nebenbei müssten Sie den Staat auch noch politisch und finanziell unterstützen. Wenn Sie all diese Punkte erfüllen können, dann sollten Sie die folgende Liste genauer betrachten: Bahrain, Gomores, Ägypten, Kuwait, Malediven, Oman, Katar, Saudi-Arabien, Syrien, VAE, Jemen.

Gruppe 5

Diese Staaten ernennen Sie gerne zum Diplomaten, allerdings nur, wenn Sie von einer einflussreichen Unternehmensgruppe unterstützt werden und dieses Geld natürlich im entsprechenden Staat verbleibt. Außerdem wäre es ratsam, einen ortsansässigen Rechtsanwalt zu konsultieren und ihn mit der Aufgabe zu betrauen, die nötigen Arrangements zu treffen. Zu diesen Staaten gehören: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Haiti, Honduras, Mexiko, Panama, Paraguay, Peru, Uruguay, Venezuela und die “neuen” Oststaaten.

Gruppe 6

Hier handelt es sich um “einwandfreie“ Staaten. Traditionell vergibt der Außenminister Konsulate. Allerdings umsonst und nur an Personen, die sich bereits im öffentlichen Leben oder in der Wirtschaft sehr verdient gemacht haben. So z.B. an Unternehmer, die einen Großteil ihrer Geschäfte in dem entsprechenden Staat abwickeln. Wenn Sie glauben, dass Sie diese Voraussetzung erfüllen, empfiehlt sich ein Besuch bei dem akkreditierten Botschafter in Berlin oder in Wien. Wenn dann noch keine diplomatische Vertretung in Ihrer Umgebung zu finden ist, kann der Botschafter unter Umständen Interesse zeigen. Wenn Sie z.B. ein Privatbankier in Port Vila, der Hauptstadt von Vanuatu, sind, dürfte es leicht sein, diese Gespräche erfolgreich führen zu können. Sie könnten dann ein Konsulat des entsprechenden Landes auf Vanuatu übernehmen. Fast alle europäischen Staaten (auch Dänemark, Norwegen, Schweden, Island, Finnland, Österreich, Belgien und Griechenland) und alle größeren Hauptstädte in den USA sind mit Konsulaten ausgestattet. Dänemark bietet hierbei eine Besonderheit: So gestattet es auch Ausländern, eine dänische Vertretung an entsprechenden Orten zu übernehmen. Bleiben wir bei Vanuatu, was heißen würde, dass Sie als Konsul von Dänemark Ihr Konsulat auf Vanuatu eröffnen dürfen.

Gruppe 7

Die hier angeführten Staaten sind bekannt dafür, dass sie für Geld alles verkaufen, auch Regierungsdokumente, Diplomaten-Pässe, Berufung zum Konsul usw. Sie können hier jede Art von Unterstützung anbringen. Vielleicht liefern Sie ja neue Autos für den Regierungspräsidenten, eine Computeranlage für das Rathaus oder Sie geben einfach nur Bargeld her. Es ist aber besser, wenn Sie einen ortsansässigen Rechtsanwalt kontaktieren, der für Sie ein “Bittschreiben” an den Regierungschef richtet. Zu dieser Gruppe zählen: Bangladesch, Kamerun, Ghana, Guinea, Malavi, Niger, Senegal, Sierra Leone, Sudan und Toro.

Gruppe 8

Diese Staaten gehören zu den ärmsten der Welt. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf liegt bei weniger als 300 Dollar. Während für uns ein paar Tausend Dollar in Europa so gut wie gar nichts sind, ist das für diese Staaten ein Riesenvermögen. Alles was Sie tun müssen, ist, den Botschafter oder einen anderen Vertreter dieser Staaten zu konsultieren. Wenn es um größere Summen geht, sind diese Herren gerne bereit, mit Ihnen “Verkaufsgespräche“ zu führen. Benin: Offiziell ist Benin ein marxistisch-leninistischer Staat. Allerdings hat das politische System – sofern man bei Diktatur, Brutalität und Korruption noch von System sprechen kann – sehr wenig mit den Ideen von Lenin oder Marx zu tun. Der Kommunismus wird hier als das uneingeschränkte Recht des Herrschers interpretiert. Es wird das getan, was der Herrscher für richtig hält. Des Weiteren Myanmar: Myanmar ist ein sozialistischer Staat. Ideologien lassen sich immer besser verkaufen als Wahrheiten. Die Wahrheit ist, dass sich das ganze Geschäft auf dem schwarzen Markt – oder besser, auf freiem Markt – abspielt. Die festgesetzten Preise und Abgabemengen der sozialistischen Möchtegern-Führer werden hier genauso kontrolliert wie die Geschwindigkeitsregelungen auf bundesdeutschen Autobahnen. Äquatorial Guinea: Das jetzige Regime wird sicher froh darüber sein, einen Europäer oder US-Amerikaner zum Diplomaten berufen zu dürfen. Besonders, wenn es dafür die obigen Dollar als “Kostenersatz” gibt.

Gruppe 9

Diese Staaten sind zwar sehr seriös, aber extrem arm, und sie haben eine Reihe von unlösbaren Schwierigkeiten. Die Repräsentanten dieser Staaten werden Ihnen kaum irgendein Dokument verkaufen. Aber wenn Sie ihnen klar machen, dass Sie versuchen, ein Problem zu lösen oder aus der Welt zu schaffen (vielleicht durch Ihren Einfluss, vielleicht durch Ihr Geld), steht Ihrem Diplomaten-Status nichts mehr im Wege. Vor allem, wenn Sie mit internationalen Waren handeln, die für diese Staaten einen sehr hohen Stellenwert haben, z.B. Landmaschinen, Autos, Computer. Laden Sie doch einfach den Minister oder einen anderen hochrangigen Repräsentanten zum Essen ein und erklären Sie ihm, dass Sie den Staat finanziell oder mit der Lieferung von Waren unterstützen wollen. Wenn Sie denken, dass das äußerst kompliziert wäre und dass Sie diplomatisch oder gar mit deutscher Zurückhaltung vorgehen müssten, haben Sie sich geirrt. Sie werden sich wundern, wie offen und freimütig sich mit den Ministern und Repräsentanten verhandeln lässt.

Da diese Staaten nur eine begrenzte Repräsentation im Ausland haben und auch fernab von allen Wirtschaftszentren liegen, wird es Ihnen nicht schwer fallen, als Europäer einen Termin zu bekommen. Man wird froh sein, wieder etwas “Neues” von Ihnen zu hören. Zu diesen Staaten gehören: Cap Verde, Djibouti, Nepal, Saotome e Principe (2 Inseln im Golf von Guinea, Hauptstadt: Saotome), Vanuatu.

Warnung

Der Erwerber eines Diplomatenpasses, der die entsprechende Bezeichnung (Botschafter, Honorarkonsul etc.) durch Vorzeigen des Diplomatenpasses, Berufen auf Immunität oder andere diplomatische oder konsularische Privilegien, Verwenden auf Briefpapier, Visitenkarten, Türschildern, CC- bzw. CD-Schildern an Kraftfahrzeugen oder im Internet nutzt, könnte sich zunächst nach § 132 a StGB strafbar machen. Nach § 132 a I Nr.1 StGB macht sich u.a. strafbar, wer unbefugt inländische oder ausländische Amts- oder Dienstbezeichnungen führt. Den Interessenten solcher Titel dürfte klar sein, dass man diplomatische Titel gewöhnlich durch seine dem Entsendestaat gegenüber gezeigten Fähigkeiten und seine Loyalität erwirbt und nicht durch Zahlung einer „Gebühr“. Dass diese Vorgehensweise illegal sein könnte, nimmt der Interessent häufig bedingt in Kauf, um an den begehrten Titel zu kommen.

Wie das Beispiel Panamas zeigt, können Diplomatenpässe auch wieder annulliert werden, wie dies im Fall von Sean Connery durch die neue Regierung Panamas geschehen ist. Er war einer von 121 Personen, denen die diplomatische Immunität wieder aberkannt wurde.

Der Konsul

Die konsularischen Beziehungen von Staaten unterscheiden sich sehr von den diplomatischen Verbindungen. Während ein Diplomat die ständige Vertretung eines Staates in einem anderen Staat übernimmt, nimmt der Konsul die wirtschaftlichen und persönlichen Interessen der Staatsbürger der Nation, deren Konsul er ist, wahr. Dabei muss der Konsul nicht Staatsbürger des “entsendenden” Staates sein. Oft werden inländische Kaufleute von ausländischen Nationen beauftragt, die nationalen Belange (Handelsbeziehungen) zu klären. Es ist möglich, dass zwei Staaten keine diplomatischen Beziehungen pflegen, trotzdem aber Konsulate etablieren. Geregelt wird das Ganze im »Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen von 1961«. Wie beim Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen sind natürlich nur Staaten an die Vereinbarung gebunden, die diese unterzeichnet haben.

Die Vorteile eines Konsuls

Zunächst erhalten Sie erstklassige Handelsbeziehungen zu dem Land, das Sie zum Konsul ernennt. In der Praxis gibt es dann natürlich auch noch die gesellschaftlichen Vorteile. Consul H. H. Weyer (www.consulweyer.de) hat dies zusammen mit Joachim Hemmann, Richard Kerlerin in seinem leider vergriffenen Buch »Schwarz-Goldene Titelträger« recht anschaulich dargestellt. Ich zitiere:

„Als typisches Beispiel wird der Fall des Brotfabrikanten Emanuel B. geschildert. Der Gute ist vollkommen außer sich, als sich die Einweihung seines neuen Hauses als gesellschaftlicher Reinfall erwies. Kein VIP ist der Einladung gefolgt. Seine Laune bessert sich auch nicht, als er in den nächsten Tagen Direktionsbesprechung hat und erfährt, dass sich das Bauprojekt einer neuen und lebenswichtigen Warenverteilung nur realisieren lässt, wenn die Stadt der Firma ein ganz bestimmtes Grundstück überlässt. Leider bemühen sich die Brause-Werke auch um das gleiche Areal. Der Architekt meint, man müsse bei so großen Vorhaben zaubern können, indem man einschlägige Beziehungen spielen lässt. Deshalb hat der Brotfabrikant am nächsten Tag eine Unterredung mit einem Public-Relations-Experten. Der sagt ihm, dass es mehrere Möglichkeiten gäbe, um zu mehr Respekt und Ansehen in der Gesellschaft und in deren Folge auch zu Kontakten zu kommen, die ihm bei der Baugenehmigung des städtischen Grundstückes weiter helfen würden. Er könne z.B. einen größeren Scheck für einen Kinderhort stiften. Der PR-Experte: “Den Scheck können Sie dem Bürgermeister übergeben. Dafür hole ich Presse und Fotografen. Anschließend laden Sie alle wichtigen Leute zu einem kalten Buffet ein. Die Leute werden dann mit Sicherheit kommen.” Doch der vorgesehene Scheckbetrag von einer halben Million für ein Zufallsspiel ist Emanuel B. zu hoch. Der PR-Experte mit den großen Verbindungen lächelt nur. Es gäbe auch noch andere Wege. Bei deren Auswahl komme es nur darauf an, ob B. nur das Projekt mit einem Erweiterungsbau durchpauken wolle oder ob B. Dauerkontakt zur lokalen Gesellschaft suche. Herr B. denkt an die Blamage der verschmähten Einladung: “Ich will beides, aber ich habe keine Lust, in diesem Kreis nur als neureicher Aufsteiger zu gelten.” “Also echte Würden, die niemand übersehen kann. Ich glaube, das ließe sich machen.” Der PR-Experte greift zum Telefonhörer: “Verbinden sie mich bitte mit Herrn Weyer in Feldafing.” Der Experte wirft dem Brotfabrikanten einen Blick zu:

“Hätten Sie Lust, Konsul zu werden?”

Es folgt ein Besuch bei Consul Weyer dem Großen, der damals Deutschland und seinen Staatsanwälten den Rücken zugewandt hatte. “Gut, Ihre Unterlagen habe ich. Zum Geschäftlichen wäre noch zu sagen, dass ich in Anbetracht der Eile wegen dieser Sache persönlich nach Südamerika fliegen muss. Die Spesen gehen zu Ihren Lasten.” Der Brotfabrikant nickt. – “Vielen Dank, dass Sie sich die Mühe machen wollen. Soll ich vielleicht lieber mitkommen, um mich vorzustellen?” “Nein, lieber nicht. Solche Verhandlungen mit meinem Freund, dem Präsidenten, mache ich lieber alleine. Er und seine Regierung verlassen sich da ganz auf mich.” – Weyer geht Richtung Schreibtisch. – “Das wäre es. Wenn Sie jetzt noch die Anzahlung hinterlegen …” “Ein Verrechnungsscheck?” “Bargeld ist mir bei kleineren Beträgen lieber.” Fünf Wochen später gratuliert der PR-Mensch dem Brotfabrikanten zur Konsulernennung: “Hier ist die Urkunde, vom Staatspräsidenten und vom Außenminister unterschrieben.” Der Brotfabrikant betrachtet das großformatige Dokument ergriffen und liest zwischen dem spanischen Text immer wieder seinen Namen. Jetzt müsse man nur noch dafür sorgen, dass Emanuel B. auch das Exequatur erhalte. Das ist die offizielle Zustimmung des Landes, in dem der frischgebackene Konsul tätig wird. Am besten statte B. dem Protokollchef der Landesregierung einen Besuch ab, stelle sich als neu ernannter Konsul vor und bittet um möglichst baldige Weiterleitung nach Berlin. Dann gehe alles seinen Amtsweg. Er solle aber nichts darüber verlauten lassen, dass Geld im Spiel war. Wenn die Sache des Titelhandels auffliegt, wäre ihm das Exequatur versagt. “Und wie bin ich dann zu den Ehren gekommen?” will der Brotfabrikant wissen. “Niemand hat etwas dagegen einzuwenden, wenn Sie einem befreundeten Land einen Dienst erweisen, dort persona grata wären und dieses Land deshalb in Ihrer Heimat konsularisch vertreten sollen.”

Die weitere Strategie:

Emanuel B. soll dem Oberbürgermeister eine auf 200.000 EUR reduzierte Spende für die Gründung eines Kuratoriums-Kinderhort anbieten und auch dessen Vorsitz übernehmen. Gleichzeitig möge er das Stadtoberhaupt um Übernahme eines Protektorates bitten. Dies sollte auch die Staatskanzlei erfahren. Der PR-Experte wird dann die Lokalpresse zusammentrommeln und dafür sorgen, dass diese Initiative gebührend belohnt wird. Erst einige Tage danach ist das Exequatur zu beantragen. Fünf Wochen später ist die Sache gelaufen und nach Ablauf weiterer zwei Monate kann das Auslieferungslager der Brotwerke seiner Bestimmung übergeben werden. Bei der Einweihung sind alle Geladenen vollständig erschienen – keiner sagte ab. Großfabrikant B. hat jetzt ein CC-Schild an seinem schwarzen Mercedes und die Leute haben großen Respekt vor ihm. So weit der Bericht aus Weyers Buch.

Zusammengefasst bieten sich ergo folgende Vorteile:

1. Sie gewinnen an Prestige.

2. Sie werden in der Regel von der Einkommenssteuer befreit (Art. 49).

3. Alle Güter, die dem Konsulat aus dem Ausland geschickt werden, unterliegen keiner Zollbesteuerung.

Wie kann ich Konsul werden?

Wenn Sie Konsul werden wollen, sollten Sie zunächst einmal ein Land auswählen, das Ihnen politisch angenehm ist. Sie müssen schließlich auch die Interessen des Staates vertreten.

Der zweite Schritt ist es, herauszufinden, welcher Staat noch keine Vertretung in Ihrer Stadt hat. Wenn z.B. ein Staat eine Vertretung in Berlin hat, wird es schwer sein, eine weitere in Köln zu etablieren. Natürlich ist es einfacher, wenn Sie in der Provinz wohnen, die wirtschaftlich einiges hergibt. Karlsruhe wäre nicht schlecht.

Doch es gibt noch eine Schwelle zu nehmen: das »Exequatur«. Genau wie die Botschaft, muss ein Konsul von dem Staat (Empfängerstaat), in dem er “sitzt”, eine Erlaubnis organisieren. Denn ohne Zustimmung ist Ihr Konsulat wertlos. Doch diese Exequatur wird Ihnen nicht geschenkt. Besonders in der Bundesrepublik sind die Behörden dazu übergegangen, die Bewerber genau zu prüfen. Der Kandidat muss einen Eid ablegen, dass er das Konsulat nicht gekauft hat. Dem Honorarkonsulat wird die Zulassung entzogen, wenn dem Auswärtigen Amt nachträglich bekannt wird, dass der Honorarkonsul oder eine dritte Person im Zusammenhang mit der Auswahl und/oder der Bestellung zum Honorarkonsul finanzielle oder Sachleistungen erbracht hat oder erbringt.

Stellen Sie den Antrag niemals selbst. Lassen Sie ihn vom ausstellenden Staat stellen. Zur Überprüfung:

 Sie dürfen keine Steuern hinterzogen haben.

 Ihre Geschäfte müssen absolut seriös sein. Was unter seriös zu verstehen ist, entscheidet das Auswärtige Amt.

 Denken Sie an alle Daten, die es über Sie geben könnte. Irgendwo ein Widerspruch oder ein schwarzer Fleck, vielleicht ein falscher Doktortitel. Vielleicht mal als Student auf einer Demo gewesen? Das ist schlecht.

 Wie sieht es mit Ihrem Beruf aus? Als Banker, Rechtsanwalt oder Unternehmer stehen Sie gut da, als Filmemacher eher weniger gut.

Nur wenn Sie in den obigen Punkten unangreifbar sind, haben Sie eine Chance, das Exequatur zu bekommen. Ansonsten lassen Sie lieber die Finger davon. Auch der kleinste Versuch kosten Sie Ihr Geld und Ihren guten Ruf. Wählen Sie nun Ihr bevorzugtes Land aus und setzen Sie sich mit dem Botschafter in Verbindung.

Lesen Sie auch, wann es sich lohnt, einen Detektiv zu beauftragen.

-
Artikelfoto © milkovasa – Fotolia.com

-

2 Kommentare

  1. Männerguide » Blog Archive » Die Kunst des Bluffens kommentierte,

    [...] Sie auch, mit welchen Mitteln  Sie den ersehnten Status eines Diplomaten oder Honorarkonsuls erwerben können. AKPC_IDS += "608,";Popularity: unranked [?] Karriere & [...]

    Geschrieben am 16. Oktober 2009 at 10:58

  2. Bosniak kommentierte,

    Ich kenne jemanden der hat sich den Diplomatenstatus gekauft. Französischer Diplomat , kostete 60000€. Inkl CD Aufkleber für sein Fahrzeug. Nun Pendelt er zwischen Deutschland und Montenegro hin und her ohne Wartezeit an den Grenzen und natürlich ohne Kontrollen. Den Einsatz von 60000 € hatte er nach der ersten Fahrt schon wieder drin.
    Werden denn die Ausweises nicht auf Echtheit überprüft?
    Nun hat er sich neu einen R8 gekauft und finanziert. 12 raten a 9900€. Damit niemals die 10000 € Grenze überschritten wird..
    Manchmal denke ich selbst über den Erwerb eines solchen Status nach. Dann könnte ich genauso wie mein Bruder Geld verdienen.
    Doch mein Gewissen hat immer etwas dagegen und ich gehe wieder arbeiten.

    Geschrieben am 31. August 2015 at 10:21

Kommentar schreiben:


© 2013 Media Innovation GmbH