- Essen wie ein Neandertaler -

Jürgen Scharnagl

Eine bewusste, ausgewogene Ernährung, regelmäßiges Workout – für viele Männer sind diese Themen weiter weg als es für ihre Gesundheit dienlich ist. Auch echte Kerle benötigen regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung.

Stress, Leistungsdruck, das Streben nach Erfolg und Karriere nehmen in der heutigen Zeit immer mehr Überhand. Doch auch der Karriere-Mann, der gestresste Manager etc. sollte sich klarmachen, dass diese beiden Dinge, Bewegung und Ernährung, die einzigen Möglichkeiten sind, die eigene Gesundheit und Lebensqualität selbst positiv zu beeinflussen.

Gentleys führte zu diesem Thema ein Interview mit Jürgen Scharnagl, Ernährungsberater, Fitness- und Personaltrainer, der spannende Tipps und Erläuterungen parat hat und unter anderem aufzeigt, warum man sich beim Essen ruhig den Neandertaler als Vorbild nehmen sollte.

gentleys: Herr Scharnagl, zum Einstieg: Wie wichtig sind gute Ernährung und regelmäßige Bewegung?

Jürgen Scharnagl: Sie sind essentiell wichtig! Neben regelmäßigen Regenerationspausen und der Etablierung einer möglichst positiven inneren Einstellung, sind gute Ernährung und regelmäßiges Training die einzigen Möglichkeiten die wir haben, um unser höchstes Gut, nämlich unsere Gesundheit, selbstbestimmt zu beeinflussen.

Ob wir bis ins hohe Alter fit und gesund bleiben, hängt natürlich auch vom unberechenbaren Faktor “Schicksal” ab, aber die Dinge, die wir selbst dazu beitragen können, sollten wir tun. Ich denke, das sind wir uns schuldig!

gentleys: Funktioniert beides nur in Kombination oder ist es auch ausreichend, sich nur um einen Bereich zu kümmern: Gesunde Ernährung ja, Sport nein…?

Jürgen Scharnagl: Ich denke, dass beides wichtig ist. Priorität hat zunächst die Ernährung. Sie ist die Basis unserer Existenz und ist idealerweise vollwertig, ausgewogen und vitalstoffreich. Das heißt, sie soll uns mit allem versorgen, was wir brauchen, uns aber nicht mit Dingen überversorgen, die wir nicht brauchen oder die uns sogar krank machen. Nicht zuletzt soll uns unsere Ernährung gesund erhalten, wohlschmeckend sein und dadurch auch die entsprechenden Sinne befriedigen.

Unser menschlicher Organismus ist durch seine Bau- und Funktionsweise auf die regelmäßige und ausreichende Zufuhr von Energie, Baumaterial, Vitalstoffen und Wasser angewiesen. Durch unsere zunehmend stressigen, kraft- und vitalstoffraubenden Lebensweisen, gewinnt das Streben nach einer möglichst optimalen Ernährungsform immer mehr an Bedeutung.

Auf Platz zwei in der Prioritätenliste folgt die Pflege der geistigen und körperlichen Fitness. Unter geistiger Fitness (auch diese kann man trainieren!) verstehe ich die Schaffung einer positiven, inneren Grundstimmung, sowie den Erhalt, bzw. die Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten (z.B. Merk- und Denkfähigkeit, Ausdrucksfähigkeit, logische Kombinationsfähigkeit etc.).

Auch die Erlangung einer zufriedenstellenden körperlichen Verfassung ist ein absolut erstrebenswertes Ziel. Der Mensch konnte sich im Verlaufe der Evolution als “Bewegungswesen” zu dem entwickeln, was er heute ist. Das bedeutet, dass unser Körper nur optimal funktionieren kann, wenn wir ihn regelmäßig in Bewegung bringen, sprich: Ihn vor körperliche Anforderungen stellen.

Zusammenfassend kann man also festhalten: Die individuelle Kombination aus optimierter Ernährung und Training von Körper und Geist macht Sinn, weil sich diese Dinge optimal ergänzen und im Sinne einer ganzheitlichen Gesundheitsförderung ganz einfach zusammen gehören.

gentleys: Männer tun häufig viel zu wenig für ihre Gesundheit – fehlt das Bewusstsein dafür, wie eng das eigene Verhalten die persönliche Gesundheit beeinflusst oder ist es Zeitmangel oder Bequemlichkeit? Wie kann man sich motivieren?

Jürgen Scharnagl: Das Bewusstsein ist bei den meisten unterschwellig sicherlich da – Tendenz steigend – wird aber oft verdrängt. Wir dürfen nicht vergessen, dass es eben sehr oft die Männer sind, die morgens losziehen, um nach einem physisch oder psychisch harten Tag, gepaart mit unzureichender Ernährung, zu ihren Familien heimzukehren, ein paar gemütliche, genussreiche Stunden zu verbringen und dann ins Bett zu fallen. Und das Tag für Tag, Woche für Woche, um seinen Lieben am Ende die Versorgungssicherung plus guten Lebensstandard in Form des Monatseinkommens präsentieren zu können.

Da Männer in ihrer Art recht robust sind, können sie diesen Lifestyle manchmal erstaunlich lange ohne irgendwelche Symptome durchhalten und das vermittelt ihnen oft ein Gefühl der Unverwundbarkeit. Erst wenn Körper oder Geist zu rebellieren beginnen, wenn ein Herzinfarkt, Bandscheibenvorfall oder Burnout einen teils heftigen Warnschuss abgeben, dann wächst die Einsicht, dass sich etwas ändern muss.

Viele meiner Kunden kommen mit einer entsprechenden Vorgeschichte, die sie sich oft hätten ersparen können, um dann durch ganzheitliche Ernährungsberatung und Personaltraining eine entscheidende Verbesserung der Gesundheitsförderung herbeizuführen. Diese Dinge schon präventiv zu verhindern, sollte Motivation genug sein! Sich seine Vitalität bis ins hohe Alter zu bewahren, um auch seinen Ruhestand möglichst lange bei bester Gesundheit erleben zu können, muss der Ansporn sein, um Ernährung und Fitness mehr Priorität einzuräumen.

Den Ernährungsstandard zu verbessern verlangt etwas Interesse für Körperfunktionen, Lebensmittel und Nährstoffe oder aber Vertrauen in professionelle Hilfe, wie beispielsweise eine Ernährungsberatung, kostet aber dafür kaum Zeit und auch relativ wenig Geld, so dass jeder in diesem Bereich für sich selbst tätig werden kann.

Ganz anders sieht es beim regelmäßigen Training aus. Hier muss man zumindest etwas an Zeit freischaufeln, die allerdings gut investierte Zeit ist. Zeit für das wichtigste, was man besitzt: Gesundheit! Des Weiteren sollte man nicht einfach drauflos trainieren, sondern mit Hilfe eines fähigen Trainers oder in einem guten Fitnessstudio einen individuell passenden, zielführenden und spaßbringenden Trainingsplan erarbeiten. Die angepeilten Trainingszeiten sollten dabei in der persönlichen Wochenplanung als absolute Fixpunkte markiert sein.

gentleys: In Ihrem Beitrag für unseren Ratgeber „Gentleys“ schreiben Sie, dass man am besten ‘wie ein Neandertaler“ essen solle. Können Sie dies kurz erläutern?

Jürgen Scharnagl: Ich halte, neben Bewegungsmangel, den in westlichen Industrienationen viel zu hohen Konsum von einfachen Kohlenhydraten, wie z.B. raffiniertem Zucker, Weißmehlprodukten, Feingebäck, Süßigkeiten, Limonaden, Knabberartikel etc., für einen Hauptverursacher von Übergewicht, Adipositas, Herz-/Kreislaufproblemen und all´ deren negativen, krank machenden Folgen.

Der häufige und maßlose Verzehr dieser Dinge sorgt für einen sehr schnellen, sehr hohen Anstieg des Blutzuckerspiegels und, parallel dazu, auch des Insulinspiegels, was immer Fettspeicherung zur Folge hat und sowohl den Zuckerstoffwechsel, als auch den Fettstoffwechsel langfristig schädigt.

Die Ernährung der Neandertaler hingegen, die ja als Jäger und Sammler unterwegs waren, bestand für über 100.000 Generationen im Wesentlichen aus erjagtem Fleisch oder Fisch und gesammelten Beeren, Kräutern und Wurzeln. Das heißt, sie waren viel in Bewegung und ernährten sich proteinlastig und vitalstoffreich, während Kohlenhydrate einen eher geringen Anteil hatten.

Erst vor ca. 500 Generationen kam Ackerbau in unsere Evolutionsgeschichte, der verstärkt Kohlenhydrate aus Getreide in die menschliche Ernährung brachte. Aber diese komplexen Vollkorn-Kohlenhydrate waren lange Zeit kein Problem, weil sie gute Langzeitenergie lieferten, die durch harte körperliche Arbeit verbraucht werden konnte und in den mitverzehrten Randschichten der Getreidekörner viele Vitalstoffe steckten.
Erst die zunehmende industrielle Verarbeitung der Nahrungspflanzen in den letzten fünfzig Jahren zu Einfachzuckern, Weißmehlen ohne Randschichten und modifizierten Stärken sorgte für die oben genannten Negativfolgen, da unser Stoffwechsel evolutionsmäßig noch immer eher “steinzeitlich” tickt.

Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis kann also nur lauten: Bei Kohlenhydraten möglichst immer die Vollkornvariante wählen, ausreichend hochwertiges Nahrungsprotein als Zellbaustoff zuführen und reichlich Vitalstoffe aufnehmen – wie die Neandertaler eben.

Weiter zu Teil 2….

Artikelfoto © Liddy Hansdottir – Fotolia.com

2 Kommentare

  1. gentleys » Blog Archive » Interview: Ernährung für erfolgreiche Männer – Teil 2 kommentierte,

    [...] Zu Teil 1 [...]

    Geschrieben am 6. September 2010 at 11:45

  2. gentleys » Blog Archive » Gesunde Rezepte für Männer kommentierte,

    [...] über 2000 gesunde Rezepte, die sich in kurzer Zeit und ohne viel Lust zum Kochen umsetzen lassen. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung dient der Gesundheit. Wer erst einmal ein bisschen Routine im Umgang mit Pfannen und Töpfen [...]

    Geschrieben am 4. Dezember 2012 at 10:45

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