Er muss ihnen nur wenige Minuten beim Streiten zusehen und die Sache ist für ihn klar: John Gottman braucht nicht lang, um herauszufinden, ob die Beziehung eines Paares die nächsten Jahre überdauert oder nicht.
Der US-amerikanische Psychologe erlangte durch seine Arbeit über die Stabilität der Ehe und Beziehungsanalysen allgemeine Berühmtheit.
Gottman selbst behauptet, über eine Methode zu verfügen, mit welcher er voraussagen kann, ob ein neu verheiratetes Ehepaar dieses aller Voraussicht nach auch bleibt oder ob es nach vier bis sechs Jahren bereits wieder geschieden wird.
Den verblüffenden Ergebnissen – in rund 90 Prozent der Fälle soll Gottman Recht behalten – gehen zahlreiche, jahrelange Analysen voraus.
Wie wird gestritten?
Der Psychologe beobachtet Paare, die sich streiten und stellt dabei nicht den Inhalt der Konflikte sondern die Art und Weise des Streitens, den Umgang beider Partner miteinander, in den Vordergrund.
Hier gibt es einiges, das für Gottman interessant ist:
Wird der Streit auf einer sachlichen Ebene ausgetragen oder verfällt mindestens einer von beiden in Ironie und Sarkasmus? Werden die Dinge beim Namen genannt? Kommt der Kern des Unheils zum Vorschein oder geht es lediglich darum, seinen Frust am anderen auszulassen?
Bedeutend ist ebenfalls die Art der Argumentation beziehungsweise ob überhaupt argumentiert wird. Auch der Ausgang des Konfliktes ist aussagekräftig: Steht am Ende die Versöhnung oder eskaliert die ganze Angelegenheit?
Neben seinen Beobachtungen hat John Gottman zudem Körperströme und Herzschlag seiner Probanden kontrolliert und Dinge wie Körperhaltung dokumentiert und ausgewertet.
Zusammengefasst in mathematische Formeln sagt uns Gottman nun anhand seiner erforschten Ergebnisse die Lebensdauer unserer Beziehungen voraus.
Drei Minuten sind Gottman erst einmal genug. Die reichen aus, um eine treffsichere Prognose für das weitere Streitgeschehen abzugeben.
Ein Beispiel:
Eine Schuldzuweisung zu Beginn eines Streits verkündet Unheil, denn wenn einer dem anderen das Gefühl gibt, das konfliktauslösende Problem beruhe auf der Persönlichkeit des anderen, droht die Sache schiefzulaufen.
Schlussfolgerung Gottmans: Höchstwahrscheinlich wird die Beziehung dieser zwei Menschen nicht mehr viele Jahre andauern.
Verständnis zeigen für die Träume des Anderen
Aus seinen Ergebnissen leitet der Psychologe auch entsprechende „Beziehungsregeln“ ab: Hierbei sei die wichtigste Voraussetzung für eine langfristige und glückliche Beziehung, die Wünsche und Vorstellungen seines Partners zu akzeptieren, auch wenn diese sich nicht mit den eigenen decken.
In einer Streitsituation zeigt sich recht schnell, ob sich zwei Menschen auf einer Ebene bewegen und ob sie bereit sind, Verständnis und Toleranz dem anderen gegenüber aufzubringen.
In solchen Momenten kann auch sehr deutlich werden, was einem eigentlich wichtiger ist: Verbundenheit und Nähe zum Partner oder der eigene Standpunkt, welcher mit aller Macht durchgesetzt werden will.
Gottmans Erkenntnisse auf den Punkt gebracht, ist eine tiefe, enge Freundschaft zwischen beiden Partnern letztlich eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine glückliche und dauerhafte Beziehung.
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