Carsten Kupferberg, Personaltrainer

Ging es im ersten Teil unseres Interviews mit Carsten Kupferberg speziell um das Thema Burn-Out und die entsprechende Vorbeugung, so verrät er uns im heutigen, zweiten Interview-Teil zum Beispiel, was einen guten Personal-Trainer eigentlich ausmacht und wie er selbst am liebsten trainiert.

gentleys: Wie motivieren Sie Ihre Kunden dazu, sich fit zu halten?

Carsten Kupferberg: Das kann ich nur bedingt. Die beste Motivation ist die intrinsische. Sie kommt von innen.

Viele glauben sich zu motivieren, in dem Sie mich auf Ihrem Kontoauszug sehen. Das funktioniert immer nur ein paar Wochen, manchmal nur Tage.

Ich motiviere durch Sensibilisierung. Durch Aufzeigen des bisherigen Weges und eines alternativen Weges. Ich kann nur Optionen geben und überzeugen, die „gesündere“ Option zu wählen.

Das kann nur der Coach in mir. Der Trainer kann perfekte Trainingspläne schreiben, die funktionieren würden, wenn die Motivation vorhanden ist.

Der Sportler kann das Training begleiten und immer wieder Mut zusprechen und zum Mitmachen auffordern. Aber nur der Coach kann erkennen, wo der individuelle Schweinehund sitzt und wie er den zu packen bekommt. Und das ist etwas, das kann man nicht lernen.

Das wichtigste ist die Anamnese, das aktive Zuhören zwischen den Zeilen, die individuelle Zieldefinition und das gemeinsame Erarbeiten eines moderaten Weges dahin. Ich kann nicht zu jedem sagen: „Fisch ist am gesündesten. Da hast du gute Eiweiße und gesunde Fette und zum Abnehmen musst du laufen“!

gentleys: Erleben wir zur Zeit einen „Personal-Fitness-Boom“?

Carsten Kupferberg: Ich glaube, der steht bevor. Noch erleben ihn einige Regionen. Frankfurt, Berlin, Hamburg. Ich erlebe im Moment vor allem, dass viele, die ein bisschen Sportler sind oder / und noch weniger Trainer, glauben, Personal-Trainer sein zu können. Aber wie beschrieben, in meinen Augen gehört mehr dazu.

Aber in der Tat fragen auch einige nach Personal-Training, weil es vielleicht schick ist, sie aber nicht wissen, was sie eigentlich wollen.

Doch den tatsächlichen Boom, ausgelöst durch immer mehr Leistungsdruck im Beruf, daraus resultierendem Zeitmangel gepaart mit Gesundheits- und Fitnesseinbußen und das dann noch begleitet von immer weniger medizinischer „Standardleistung“ durch gesetzliche Versicherer, werden wir erst noch erleben. Dann, wenn immer mehr Menschen erkennen, dass man für seine eigene Gesundheit selbst verantwortlich ist, aber selbst nicht mehr wissen, wie der artgerechte Weg dahin funktioniert.

gentleys: Über welche Fähigkeiten und über welches Wissen sollte ein guter Personaltrainer verfügen?

Carsten Kupferberg: Das ist schwer zu sagen. Zunächst ist der „Beruf“ nicht geschützt. Nicht jeder bietet alles an, also muss er auch nicht alles wissen / können. Ein Personal-Tennistrainer muss nicht Eis-Tanzen können, aber er sollte mehr als Tennis spielen können.

Ich halte es zunächst für zwingend erforderlich, da ich eine Verantwortung für meine Kunden habe, dass ich die Anatomie des Menschen beherrsche, Übungen der Therapie und Prävention sinnvoll einsetzen kann und guter Ersthelfer bin.

Es genügt nicht das „Benennen-Können“ von Muskeln, so wie es einige Lizenztrainer erlernen. Idealerweise ist man Sportwissenschaftler, Physiotherapeut oder (Fach-)Sportlehrer. Die reine Theorie genügt aber nicht. Man sollte als Sportler und Trainer genügend Praxiserfahrung aufweisen und sportart- bzw. trainingsspezifisch Spezialist sein.

Mich hat kürzlich ein absolvierter Dipl. Fitness-Ökonom (das Wissen wird über Studienbriefe und Studios erworben, wo der Studierende nicht immer auf die nötige praktische Ausbildung trifft) gefragt, wie man einen Stufentest ausführt und auswertet. Das können sogar meine Kunden nach der ersten Stunde schon fast beantworten.

Aber vor Allem darf das Wissen nicht nur aus Literatur stammen und mit Prüfungen nachgewiesen werden, dass man lesen und auswendig lernen kann. Dazu kommt noch etwas, was man nicht lernen kann und das ist Lebenserfahrung, Sensibilität im Umgang mit Menschen und eine Kombination aus Coach, Trainer, Sportler und Freund, und zwar nicht nur attestiert durch einen Schein.

Es darf aber dabei das Gesamtziel und die sinnvolle Ausgewogenheit, die progressive Belastungssteigerung sowie der Wechsel zwischen Belastung und Entlastung nicht verloren gehen.

gentleys: Wie trainieren Sie selbst am liebsten?

Carsten Kupferberg: So wie ich es auch meinen Kunden rate. In erster Linie auf den Körper hören und schauen was dran ist.

An einem stressigen Tag steht Entspannungstraining an. Das kann ein ruhiger Lauf sein oder eine Einheit Qi Gong. Oder ich setze mich bei „meiner“ Musik auf ein Spinningbike in meinem Wohnzimmer.

Und wenn ich mal richtig Gas geben will, steige ich entweder auf mein Rennrad und fahre in die Berge, mache eine intensivere Spinning-Stunde mit oder gehe zu einem befreundeten Coach in einen Combat-Kurs (eine Art Schatten-Kick-Boxen mit Musik). Und wenn meine eigene Motivation es hergibt, dann ist auch mal Pilates oder Stretching dran.

Wir danken Herrn Kupferberg sehr herzlich für das Interview.

Artikelfoto © Brian Erickson – Fotolia.com

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2 Kommentare

  1. gentleys » Blog Archive » Mit Training gegen Burn-Out: Interview mit Personaltrainer C. Kupferberg kommentierte,

    [...] Hier geht’s zum 2. Teil. [...]

    Geschrieben am 3. September 2010 at 14:46

  2. Karsten kommentierte,

    Ich halte eine Begleitung von erfahrenden Menschen immer sehr hilfreich.
    Oft kennt man nur seinen eigenen Weg, der aber nie zum Erfolg führte.

    Geschrieben am 25. September 2010 at 10:45

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