Aktuell wird in den Medien verbreitet über eine sogenannte „Ampelverordnung“ berichtet. Diese ist ein geplantes Vorhaben des EU-Parlaments in Brüssel, mit der künftig die gewöhnlichen Nährwertangaben auf Lebensmitteln durch ein Ampelsystem aus mehreren Zeichen ersetzt werden sollen. Der Konsument soll somit auf einfache Weise Auskunft darüber erhalten, ob das jeweilige Produkt zu einer gesunden Ernährung beitragen kann. Erfahren Sie bei uns alles über das neue Ampelsystem und lernen Sie Nährwertangaben richtig zu lesen.
Das Ampelsystem
Besitzt ein Lebensmittel viele grüne Ampelzeichen, dann kann er von einem gesunden Lebensmittel ausgehen. Das Prinzip erscheint einfach, ist zugleich aber ein strittiges Thema im EU-Parlament. Insbesondere die Lebensmittelindustrie wehrt sich gegen die Ampelverordnung: das Prinzip sei nicht wissenschaftlich fundiert und für den Konsumenten nicht durchschaubar. Allerdings geht man davon aus, dass die Vertreter der Lebensmittelwirtschaft lediglich Umsatzeinbußen umgehen möchten. Die EU-Politiker, die sich für die Lebensmittelampel einsetzen, haben maßgeblich ein Ziel vor Augen: die derzeitig auf Lebensmitteln verfügbaren Nährwertangaben durch ein einfaches Prinzip ersetzen. Somit soll es den Bürgern leichter fallen, gesunde Lebensmittel zu erkennen und einer Fehlernährung aus dem Wege zu gehen. Doch was erschwert überhaupt das Lesen von Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen, dass man sie durch eine Ampel ersetzen muss? Oder anders gefragt: was muss der Konsument denn beachten, um die Nährwertangaben richtig zu lesen und zu verstehen?
Nährwertangaben freiwillig
Grundsätzlich erfolgt die Nährwertangabe in Deutschland und den EU-Ländern auf freiwilliger Basis der Hersteller. Nur wenn Produkte mit bestimmten Nährwerten beworben werden, müssen diese zwingend auf der Verpackung angegeben werden. Hat sich ein Hersteller für den Aufdruck von Nährwerten entschieden, ist es seine Entscheidung, welche er angibt. Häufig werden die „Big Four“ oder „Big Eight“ verwendet. Die Big Four beinhalten die Angabe des enthaltenen Brennwertes und des Gehaltes an Eiweißen, Kohlenhydraten und Fetten. Die Angabe erfolgt diesbezüglich für den Brennwert in Kalorien (kcal) und für die Nährstoffe in Gramm (g) und wird auf eine Menge des Lebensmittels von 100g oder 100ml bezogen. Werden die Big Eight angegeben, so werden neben den bisher genannten Werten auch die enthaltenen Mengen Zucker, gesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe und Natrium aufgedruckt. Zusätzlich werden häufig Angaben über den Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen gemacht. Diese werden in Milligramm (mg) angegeben und ebenfalls auf 100g des Lebensmittels bezogen. Die Angaben, egal ob Brennwert oder Ballaststoffgehalt, entsprechen den Durchschnittswerten des Produktes. Die tatsächlich enthaltenen Mengen können aufgrund natürlicher oder produktionsbedingter Faktoren von den Angaben abweichen.
Big Four und Big Eight
Die Big Four und Big Eight werden in einer Tabelle auf der Produktverpackung aufgeführt. Oftmals befindet sich neben einer Spalte, in der die Mengen auf jeweils 100g des Nahrungsmittels bezogen werden, eine weitere Spalte, in der Angaben im Bezug auf eine frei vom Hersteller gewählte Portionsgröße gemacht werden können. Eine Portion kann beispielsweise einem Tee- oder Esslöffel entsprechen. Gleichermaßen können die Angaben auf einen Portionsbeutel oder eine beliebige Produktmenge bezogen werden. Mitunter findet sich ergänzend oder ersetzend für die Portionsspalte eine weitere Spalte mit den Angaben der Anteile am GDA: dem Guideline Daily Amount bzw. dem Richtwert für die tägliche Tageszufuhr. Die Richtwerte für die täglich benötigten Mengen wurden von dem Verband der Europäischen Lebensmittelindustrie ermittelt. Grundsätzlich findet sich eine Unterscheidung anhand des Geschlechts. Männer benötigen demnach durchschnittlich eine Menge von 2500 kcal pro Tag, während Frauen auf eine Aufnahme von 2000 kcal angewiesen sind. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Werte für die Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe. In einer Spalte werden letztlich Prozentanteile des täglich benötigten Gesamtbedarfes angegeben – entweder im Bezug auf 100g oder eine Portion.
Der Nährwertkompass
Zusätzlich neben der Nährwerttabelle kann der „Nährwertkompass“ angeben werden. Dieser wird häufig auf der Produktvorderseite abgebildet und enthält fünf Angaben: den Brennwert, den Zucker- und Fettgehalt, sowie die enthaltenen Mengen an gesättigten Fettsäuren und Salz. Die Darstellung erfolgt mit kleinen, aneinandergereihten Feldern in Tonnenform. Die Angaben beziehen sich jeweils auf eine Portion, deren Größe über dem Nährwertkompass zu sehen ist. Jedem Feld eines Nährwertes kann die pro Portion enthaltene Menge mit der zugehörigen Einheit und der Anteil am GDA in Prozent entnommen werden.
Auf der Mehrheit der verfügbaren Produkte findet man derartige Nährwertangaben. Der Standard ist in diesem Sinne die Angabe der Nährwerte im Bezug auf 100g des Lebensmittels. Zusätzlich verwenden die Hersteller ergänzend die Nährwertangabe pro Portion oder den Nährwertkompass. Allerdings setzen alle Kennzeichnungen gleichermaßen ein gewisses Hintergrundwissen des Konsumenten voraus: wie hoch ist der tägliche Kalorienbedarf oder welche Nährstoffe sind besonders wichtig für eine gesunde Ernährung? Mit einem Minimum an Kenntnis ist die Wahl geeigneter Lebensmittel durch die Nährwertangaben jedoch durchaus ein Leichtes.
Tipp:
Foto: © RainerSturm – www.pixelio.de
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