Farhad Vladi

Ein Stück vom Paradies – so oder ähnlich verträumt und sehnsüchtig sind die Gedanken an eine eigene Privatinsel – ein Fleck Erde, der nur einem selbst bestimmt ist. Farhad Vladi, Experte für Inseln aller Art, ist mit seinem Unternehmen Vladi Private Islands weltweiter Marktführer als Makler für den Verkauf und die Vermietung privater Luxusinseln.

Gentleys gab er ein interessantes Interview.

gentleys: Herr Vladi, Paul McCartney hat bei Ihnen eine Insel für seine Flitterwochen gemietet. Warum, glauben Sie, verbinden wir das Inselleben mit Romantik?

Farhad Vladi: Auf einer Insel sind Sie allein. Sie erleben und spüren die Energie der Insel und ordnen sich sehr schnell der Natur unter, die das Geschehen regiert. Es gibt also keine anderen Menschen, Sie sind für sich, ummantelt von Natur.

gentleys: Wie viele Inseln bringen sie im Jahr an den Mann?

Farhad Vladi: Ca. 30.

gentleys: Hat der Öko-Trend auch Veränderungen in Ihrer Branche gebracht?

Troop Island, Kanada

Farhad Vladi: Der Öko-Trend hat keine Veränderungen gebracht, denn auf einer Insel hat man nicht ökofeindlich gelebt, sondern bereits ökofreundlich, bevor in der Zivilisation das Thema “Öko” überhaupt aufkam.

gentleys: Bieten Sie auch – wie Sie sagen – „Lebensträume“ für den kleinen Mann an?

Farhad Vladi: Ja. Was heißt kleiner Mann? Wer sich ein gutes Auto leisten kann, kann sich bei uns auch eine Insel leisten. Das betrifft sowohl den Kaufpreis als auch die Folgekosten.

gentleys: In Daniel Defoes Roman ist Robinson Crusoe auf einer abgelegen Insel im Mündungsgebiet des Orinoko gefangen. Er erkennt dies aber keineswegs als pures Glück. Würden Sie Robinsons Situation anders bewerten…?

Farhad Vladi: Wenn jemand unfreiwillig auf einer Insel ist, kann es kein Glück bedeuten, sondern bloß Gefangenschaft. Die Inseln, die wir verkaufen, verkaufen wir auch nur zu Ferienzwecken.
Sie sind sonst in der Zivilisation und freuen sich riesig, endlich einmal in die Natur zurückzukehren. Wenn Sie dann einige Wochen auf der Insel Urlaub gemacht haben, freuen Sie sich doch wieder sehr, in die Zivilisation zurückzukommen.

gentleys: Würden Sie sagen, der Privatbesitzer einer Insel ist auf der Flucht vor seinen eigenen Artgenossen?

Farhad Vladi: Das kann ich nicht sagen, denn wenn Sie Probleme mit Ihren Artgenossen haben, Unglück, Scheidung, Sorgen, so werden Sie diese immer mit auf die Insel nehmen. Die Insel macht Sie nicht zu einem neuen Menschen, sondern gibt Ihnen höchstens die Möglichkeit, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen.

gentleys: Wir befinden uns in Zeiten globaler Erwärmung und Wissenschaftler messen einen Anstieg des Meeresspiegels. Ist es dann immer noch ratsam, eine Insel zu kaufen?

Farhad Vladi: Unter den Inseln, die wir verkaufen, ist die flachste Insel 2,5 Meter hoch.
Die meisten Inseln haben aber eine Anhöhe von 10 Metern bis zu sogar 500 Metern. Ein Anstieg des Meeresspiegels um, sagen wir, 1 oder 2 Meter, wird bei den ersten Inseln kritisch, aber es ist noch nicht so dramatisch wie das Maß, in dem wir uns eigentlich um die Städte Amsterdam und Hamburg Sorgen machen sollten. Bei 2 Metern sind diese bereits überspült. Wir sollten uns also z.B. in Hamburg eher Sorgen um unsere Verwandten und Freunde machen.

gentleys: Was machen Sie auf Ihrer Insel am liebsten?

Farhad Vladi: Die Ruhe genießen, die Natur spüren und wandern. Auf meiner Insel gehe ich 50 Meter, und ich denke, ich bin bereits auf einer ganz anderen Insel. Die Natur hält immer Überraschungen parat, und diese zu erleben und zu genießen ist wundervoll. Ansonsten: Schwimmen, fischen und viel lesen.

gentleys: Was halten Sie von künstlichen Inseln, wie z. B. den kürzlich fertiggestellten vor Dubai?

Farhad Vladi: Von künstlichen Inseln halte ich gar nichts. Die Natur hat die natürlichen Inseln über Zehntausende von Jahren geschaffen, und sie werden sich daher im Wesentlichen auch in unserem Lebenszyklus nicht verändern. In künstlichen Inseln sehe ich eine Gefahr, denn die Natur hat immer Überraschungen, und wir haben ja festgestellt, dass man in Dubai mit gewissen natürlichen Vorkommnissen gar nicht gerechnet hat, so z.B. den Algen und deren Geruchsbildung. Solange es natürliche Inseln gibt, braucht man eigentlich keine künstlichen.

gentleys: Konnte Ihr Geschäft in der Wirtschaftskrise durch finanziell geschwächten Staaten profitieren? Stichwort Griechenland oder Island?

Goat Cay Bahamas

Farhad Vladi: Wir haben hier keine Vorteile gesehen; im Gegenteil, man hält an Inseln fest, denn viele haben Angst, Inseln zu verkaufen und Geld im Finanzkreislauf zu verlieren. Griechenland ist ein stabiler Inselmarkt, der eigentlich nur den Einheimischen vorbehalten ist. Es sind kaum Ausländer, eigentlich gar keine, die Inseln in Griechenland erwerben, da die Schwierigkeiten zu groß sind, um eine solche Insel juristisch auch wirklich erwerben zu können.

Der Inselmarkt von Island hat noch nie eine Bedeutung gespielt.

gentleys: Zu guter Letzt: Gibt es noch ein Eiland, das Sie gerne für sich hätten?

Farhad Vladi: Nein. Die Insel, die ich vor 20 Jahren erworben habe, ist nach wie vor für mich und meine Familie unersetzbar. Ich könnte mir auch keine andere Insel vorstellen. Diese genießen wir schon seit 20 Jahren. Somit bleibt höchstens noch der Wunsch, die Verkehrsinsel vor meinem Büro zu erwerben, damit ich ungestört parken kann.

gentleys: Wir danken Ihnen ganz herzlich für das Interview.

Artikelfoto © LianeM – Fotolia.com; vladi-private-islands.

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