1. Blickkontakt während des Gesprächs

Verbale Kommunikation

In unserem Kulturkreis ist der Blickkontakt während eines Gespräches ungeheuer wichtig. Wer einem Gesprächspartner in die Augen schauen kann, gilt als offen, selbstsicher und ehrlich. Das permanente Vorbeischauen am anderen erweckt hingegen ein Gefühl von Unsicherheit und Desinteresse. Wird der Blick anstatt auf die Augen und das dazugehörige Gesichtsdreieck auf den Mund gelenkt und verweilt er dort gar, dann fühlt sich der so Angeschaute zumindest irritiert, wenn er nicht sogar verärgert ist.

Auch ein zu lange gehaltener Blickkontakt kann abwehrende Gefühle erwecken, wobei die nach ungeschriebenen Gesetzen tolerierte Zeitdauer von Situation zu Situation unterschiedlich ist. Auf der Straße beispielsweise erwarten wir von fremden Menschen, dass sie schnellstens wieder wegschauen. Blickt uns dort jemand länger an, erweckt das in uns sofort die Frage: Kennt die oder der mich? oder Muss ich die oder den kennen? Ein zu lange gehaltener Blickkontakt kann dort sogar bedrohlich wirken. In vielen Situationen erwarten wir auch, dass überhaupt kein Blickkontakt hergestellt wird. Dies ist besonders in engen Räumen der Fall, die wir mit Fremden teilen müssen. Ein anschauliches Beispiel dafür ist ein Fahrstuhl. Wir bemühen uns, unsere Augen auf Dinge wie die Stockwerkanzeige oder das unvermeidliche Schild “Aufzug im Brandfall nicht benutzen” zu lenken, obwohl es absolut langweilig ist, darauf zu schauen. Treffen sich wider Erwarten doch zwei Augenpaare, sehen wir so schnell wie möglich weg und versuchen zusätzlich oft durch ein flüchtiges Lächeln anzudeuten: Entschuldigung, ich will gar nichts von lhnen. Das war nur ein Versehen.

Während eines Gespräches kann die Dauer des Blickkontaktes relativ lang sein, ohne dass er als störend empfunden wird. Doch auch dann darf kein Anstarren daraus werden. Ein permanenter, unbeweglicher Blick vermittelt Unbehagen. Oft sprechen wir von einem “festen Blick“, dem wir Positives zuordnen, und einem “unsteten Blick“, was eher das Gegenteil bedeutet. In Wirklichkeit aber muss auch ein fester Blick unstet sein, nämlich im Sinne von beweglich, lebendig. Da wir unserem Gegenüber nicht in ein Auge sehen, sondern in die Augen schauen, bewegt sich unser Blick ständig von einem zu anderen Auge hin, hin und her. Außerdem wird üblicherweise im Laufe eines Gespräches der Blickkontakt immer wieder abgebrochen und erneuert, um nicht den Eindruck zu erwecken, man fixiere den anderen. Dabei ist es häufig so, dass der Zuhörer den Sprechenden ständig anblickt, während dieser zwischendurch zur Decke, auf schriftliche Unterlagen oder auf die Hände zum Beispiel schaut. Je intensiver ein Sprechender nachdenkt, umso wahrscheinlicher wird er den Augenkontakt unterbrechen.

2. Konversation

Immer wieder hört man Stimmen, die den Small Talk verteufeln. “Seichtes Gewäsch” heißt es dann, „oberflächliches Blabla” Das kann stimmen, wenn sich dieses Frage-und-Antwortspiel zum Beispiel auf die nun wirklich abgedroschene Plauderei über das Wetter beschränkt.

Doch sonst sind leichte Gesprächsthemen – ein weniger negativ belegtes Wort ist Light talk – ein wichtiger Anfang der Kommunikation zwischen Fremden. Sie schließen außerdem nicht aus, dass sich später nach einer Kennenlernphase auch tiefergehende Gespräche anschließen können. Doch dazu muss man erst mal miteinander warm werden, muss eine Basis aufbauen und Vertrauen entwickeln können – und das ist mit Schweigen schwer zu erreichen. Deshalb fällt der leichten Konversation die Funktion des “Eisbrechers” zu. Dazu bieten sich reichlich Themen an. Hobbys, Sport und aktuelle Ereignisse, Kunst, Urlaubseindrücke, Literatur und Theater- oder Konzerterlebnisse sind noch längst nicht alle Stichpunkte, die beweisen, dass auch Small Talk durchaus kein hirnloses Geschwätz sein muss.

3. Komplimente

Genauso, wie es Pro und Kontra zum Thema Small Talk gibt, gilt dies auch für Komplimente. “Lobende Äußerung, anerkennende Worte” nennen es die einen, “Blöden Schmus, unehrliches Süßholzgeraspel” die anderen. Letzteres ist leicht durchschaubar und bringt nicht allzu viel Positives für zwischenmenschliche Beziehungen – ja: es kann sogar Ärger erwecken. Ein ehrlich gemeintes Kompliment hingegen, ein Lob für gute Leistung beispielsweise, hilft besonders im beruflichen Alltag, diesen etwas angenehmer zu machen. Wie viel schneller sind wir doch oft bereit, Kritik zu äußern und zu tadeln, anstatt Anerkennung auszusprechen. Zu oft nehmen wir etwas Schönes, gut Gelungenes und Erfreuliches als Selbstverständlichkeit hin. Übertrieben und fadenscheinig wirkende Äußerungen sollten wir aber genauso vermeiden wie verletzende, die wie als Kompliment verkleidete Beleidigungen erscheinen. Wenn die Kollegin flötet: „Also wirklich, meine Liebe, diese neuen weiten Hemden, die du in letzter Zeit trägst, stehen dir ganz ausgezeichnet. Da sieht man dein Übergewicht überhaupt nicht mehr“, verdient sie es nicht, in die Reihe der Komplimentemacher aufgenommen zu werden.

Genauso, wie es gut ist, das Formulieren und Aussprechen eines ehrlichen Lobes zu üben, ist es auch gut, das Annehmen eines Komplimentes zu lernen. Oft wird es aus Unsicherheit und Verlegenheit abgeschwächt oder sogar negiert: „Ach, das war doch gar nicht der Rede wert“, oder „Ich fand das aber gar nicht so toll“ sind Sätze, die nichts von der Freude widerspiegeln, die ein Lob erwecken kann. Sie vermitteln eher das Gefühl, dass es sich gar nicht lohnt, der- oder demjenigen etwas Angenehmes zu sagen. „Vielen Dank für Ihre positiven Worte“, „Wie nett, dass Sie das sagen“, „Danke für das Kompliment“. „lch freue mich darüber“, sind Sätze, die einen Teil der Freude, die der Lobende uns machen wollte, direkt an ihn zurückgeben.

-
Artikelfoto © Franz Pfluegl – Fotolia.com
-

Kommentar schreiben:


© 2013 Media Innovation GmbH