Wie kanadische Gänse sich in deutsche Städte verirren

Neu ist das Phänomen nun wahrlich nicht, dennoch fragt man sich des Öfteren beim Anblick dicker Polarjacken in deutschen Großstädten ob der Notwendigkeit dieser Funktionskleidung. Mit dem Anblick von The North Face-, Jack Wolfskin- und Mammut-Jacken hat man sich inzwischen abgefunden bzw. man ist daran gewöhnt, aber welchen Grund haben Männer für das Tragen dicker Canada-Goose Jacken bei 9 Grad Außentemperatur? Sind sie so verweichlicht, dass sie schon bei einstelligen Temperaturwerten zu frieren anfangen und sich deshalb in daunengefütterte Polarjacken einmummeln müssen? Oder glaubt der urbane Polarforscher etwa, die Coolness der Antarktis für deutsche Fußgängerzonen übersetzen zu können?  Oder ist das ganze eine auf die Spitze getriebene Modeerscheinung, die sich nach dem Winter in heiße Luft auflösen wird?

Urbane Möchtegern-Polarforscher

Eines ist sicher, diese Jacken halten warm, sehr warm. Nicht umsonst kommt das populärste Modell der Modischen Polarforscher aus dem eisigen Norden Kanadas und wärmt dort die Eisangler, Ranger und Wildhüter nach besten Kräften und ist auch für eine Polarexpedition geeignet. Das Ganze hat natürlich auch seinen Preis. Mehrere hundert Euro werden für die Jacken mit fellbesetzten Kapuzen fällig. Bloß, braucht man solch eine Jacke für den Gang zum Supermarkt? Klare Antwort: nein. Aber wie auch Outdoorfunktionskleidung ist die Polar-Daunenjacke nicht nur Statussymbol sondern auch Ausdruck eines Lebensgefühls – oder zumindest eines Lebenstraumes. Männer (und auch Frauen), die sich in diese Jacken einhüllen, träumen insgeheim von arktischen Abenteuern und einer urigen Expedition im Schnee, mit Fuchsjagd und Blockhütte und was da sonst noch alles dazu gehört. Es ist Ausdruck des Wunsches nach etwas exklusiven und ungewöhnlichem, etwas, das nicht jeder haben kann und will. Softshell-Jacken und normale Winterklamotten, wie es sie bei Mysportworld gibt, sind diesen Herrschaften zu Mainstream, zu gewöhnlich.

Exklusiv schwitzen

Dumm nur, wenn die Jacke aus den Federn kanadischer Bio-Gänse im Alltag nichts taugt, weil man in ihr schwitzt wie in einem römischen Dampfbad. Denn was bei -30 Grad wohlig warm hält, ist bei +5 Grad eine mehr als schweißtreibende Angelegenheit. Bei solchen Temperaturen greift man dann doch besser auf wasserabweisende und wärmende Winterjacken zurück, in denen man bei unseren doch recht milden Temperaturen nicht zu sehr schwitzt und trotzdem bei Wind warm bleibt. Und wenn das bedeutet, dass die noch mehr Menschen in der Großstadt mit Outdoorfunktionsjacken durch die Fußgängerzonen laufen, dann ist es eben so. das irritiert weit weniger, als an jeder Ecke Möchtegern-Polarforscher im Waschbärpelz zu erspähen.

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