Die Faszination von Privatyachten
Man kennt die Szene: Man liegt auf Deck unter einem geräumigen Sonnensegel, in der Hand einen eiskalten Drink, meerjungfrauen- oder zumindest bondgirlgleich steigt die Liebste aus dem Ozean an Bord und der Steward meldet, dass pünktlich um acht Uhr für das Dinner gedeckt sein wird.
Nun gut – wenn Sie das für ein Filmklischee halten, dann stellen Sie sich einfach Folgendes vor: Strahlend blauer Himmel, eine üppige Brise bläht das Großsegel, Sie und Ihre vier besten Freunde cruisen mit strammen 10 Knoten durch die Ägäis. Ein eingespieltes Team, bei dem jeder Handgriff sitzt, und einer der Jungs hat sogar noch Zeit gefunden, eine Angel auszulegen.
Yachten sind Männerträume. Warum das so ist, kann man eigentlich nicht rational erklären. Denn als Verkehrsmittel, das einen zügig von A nach B bringt, ist eine Yacht denkbar ungeeignet. Vielleicht sind es die Filme über verwegene Piraten aus unserer Jugendzeit, vielleicht ein Rest Hans-Albers-Romantik. Oder vielleicht ist es das Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit,
das man mit einem Stück mobiler Heimat genießt. All das mögen Gründe sein, die Faszination zu erklären. Darüber hinaus kann man natürlich auch auf dezente Art ein wenig mit seinem Wohlstand protzen, indem man sogar größere Strecken komfortabel mit der eigenen Yacht zurücklegt, statt mit dem Flieger von Termin zu Termin zu hetzen. Wie könnte man seine materielle und berufliche Unabhängigkeit besser beweisen, wenn nicht durch den Überfluss an Zeit, den diese Art des Reisens voraussetzt. Ein Boot zu besitzen beweist Stil und zeigt, dass man sein hart verdientes Geld auch gut zu investieren weiß – eine Yacht ist nämlich nicht nur ein exzellentes Männerspielzeug für Fortgeschrittene, sondern auch eine solide Kapitalanlage.
Je nach Persönlichkeitstyp fühlen sich die einen mehr von Motoryachten, die anderen mehr von Segelyachten angesprochen. Grundsätzlich scheinen Motoryachten eher technikbegeisterte Männer zu faszinieren, denn hier geht es nicht zuletzt auch um Kraft, Geschwindigkeit und den Einsatz der neuesten technischen Entwicklungen in Sachen Aerodynamik und Werkstoffkunde. Segelyachten hingegen sprechen mehr die Traditionalisten an, die zum einen die Ruhe schätzen und zum anderen naturverbunden und eher sportlich orientiert sind; denn sowohl das Segeln selbst als auch die anderen Arbeiten an Bord können durchaus anstrengend und kräftezehrend sein – es sei denn, man verfügt ab einer gewissen Yachtgröße über das nötige Personal, das einem diese Arbeiten abnimmt. Ein weiteres Argument für den Kauf einer Yacht ist sicherlich das Image, das diesen stattlichen Gefährten anhaftet: Beinahe automatisch assoziiert man damit Sommer, Sonne, Luxus, Urlaub und den Besuch exotischer Länder, der durch dieses traditionelle Fortbewegungsmittel auch erheblich mehr Abenteuerfeeling aufkommen lässt, als etwa eine Pauschalreise von einem sterilen Flughafen zum nächsten.
Von einer Yacht spricht man in der Regel ab einer Schiffslänge von wenigstens 12 Metern. Alles was darunter liegt, ist für den Profi schlichtweg ein Bötchen. Ebenfalls Kennzeichen einer Yacht ist nach allgemeinem Verständnis der Umstand, dass Kabinen zur Unterbringung von mindestens sechs Personen vorhanden sein müssen. Dadurch eignet sie sich sowohl für einen geselligen, flexiblen Urlaub mit Familie oder Freunden als auch für zwanglose Treffen mit Geschäftspartnern. Luxusmodelle verfügen darüber hinaus über eine Komfortausstattung (auf Wunsch inklusive Jacuzzi), die mühelos mit besseren Hotels mithalten kann, und bieten ausreichend Platz für ein kleines Beiboot, Jet Ski und Tauchausrüstung. Somit ist man auch am Urlaubsort relativ unabhängig unterwegs – aber selbstverständlich nur, wenn man den entsprechenden Führerschein sein Eigen nennt, denn speziell für die Fahrt auf hoher See ist einiges an theoretischem wie praktischem Wissen erforderlich – das beispielsweise Kenntnisse in den Bereichen Seefahrtsrecht, Verkehrsregelungen auf See, Navigation, Instrumentenkunde und Funkverkehr umfasst. So wird die Yacht schnell zum abendfüllenden Hobby, in das man(n) nicht nur tüchtig Geld, sondern auch reichlich Zeit investieren kann.
Wie dem auch sei – der Vorwurf, es ginge Männern bei ihren Schiffen um das viel zitierte „Meiner-ist-länger-Prinzip“ hält einer genaueren Überprüfung jedenfalls nicht stand. Denn es gibt durchaus Zeitgenossen, die mit einer kleinen Segelyacht sehr zufrieden sind, obwohl sie sich ebenso gut einen Luxusliner leisten könnten. Paul McCartney ist der Legende nach einer von ihnen. Ein Augenzeuge berichtet, der Ex-Beatle habe sich bei Studioaufnahmen in Australien eigens ein kleineres Boot zugelegt, um wenigstens einige Stunden am Tag unerkannt dort verbringen zu können. Auch für andere Prominente spielt sicher der Gedanke, sich bei Bedarf zurückziehen zu können, eine nicht unerhebliche Rolle beim Kauf einer Yacht.
Arten von Yachten
Die wichtigste Unterscheidung ist natürlich diejenige zwischen Yachten mit und ohne leistungsstarken Motor – denn auch Segelyachten haben kleinere Dieselaggregate, um sich bei Windflauten fortbewegen zu können. Die meisten Luxusyachten sind indes Motoryachten, da diese nicht nur jederzeit auslaufen können, sondern überdies während der Fahrt auch flacher im Wasser liegen als Segelschiffe, die sich durch den Einfluss des Windes schnell neigen. Der große Vorteil der Segler liegt dafür in ihrem niedrigen Schwerpunkt, der durch einen gewichtigen Kiel verursacht wird und dafür sorgt, dass das Schiff nicht kentern, also umkippen kann. Die wichtigsten Materialien beim Yachtbau sind glasfaserverstärkte Kunststoffe, Holz, Stahl, Aluminium und Ferrozement (als Ballast für den Kiel).
Die meisten Segelyachten verfügen über ein sehr traditionelles Interieur mit viel Holz in warmen Brauntönen, die an die guten alten Zeiten der christlichen Seefahrt erinnern. Trotzdem sind sie natürlich mit allen Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts ausgestattet. Die derzeit größte Segelyacht in Privathand dürfte die Athena von Royal Huisman (Link siehe unten) sein. Sie ist 90 Meter lang, ein echter Dreimaster und wurde 2004 in den Niederlanden zu Wasser gelassen. Ihr dicht auf den Fersen ist die Mirabella V (http://www.bigell.de/Hausboot/bigyacht.htm) aus der englischen Werft Vosper Thornycroft. Sie misst der Länge nach 75 Meter, ist mit Segeln 90 Meter hoch und setzt nicht nur mit ihrem Preis von 100 Mio. Dollar Maßstäbe.
Motoryachten sind ebenfalls in verschiedenen Größen und Ausführungen lieferbar – vom etwas größeren Motor-Kajütboot bis hin zum ausgewachsenen Schiff mit eigenem Hubschrauberlandeplatz. Allerdings halten sich die herstellenden Werften hier mit den Angaben zu Motorleistung oder Ausstattungsdetails sehr zurück. Der Grund: unter die Rubrik Motoryachten fallen auch die so genannten Megayachten, die unter größter Geheimhaltung von den reichsten Männern der Welt in Auftrag gegeben werden. Denn ein solches Luxusschiff kauft man nicht – man lässt es maßanfertigen wie einen Anzug. Entsprechend dünn sind auch die Informationen darüber, welche Prominenten welche High-End-Yacht besitzen. Als Faustregel gilt, dass die Kosten pro Schiffsmeter ca. eine Million Euro betragen. Sonderwünsche wie Speedboote, Hubschrauber-Landeplätze und Tennis-Felder kosten extra.
Prominente und ihre Yachten
Tatsächlich gibt es mehr Yachten als gemeinhin angenommen. Zumindest muss man zu diesem Schluss kommen, wenn man sich die Anzahl der Yachtwerften weltweit betrachtet und wenn man sich obendrein in den Yachthäfen dieser Welt umsieht. Alleine im Hafen Puerto Banus in Marbella liegen über 900 Boote, viele von ihnen gehören Mitgliedern arabischer Herrscherfamilien und sind mit 70 Metern Länge sowie mehreren Decks beileibe nicht unscheinbar. Die größte Yacht im Hafen gehört Prinz Salman Ben Abd El-Aziz al Saud. Der „Urvater“ der arabischen Yachtleidenschaft dürfte allerdings König Fahd von Saudi-Arabien gewesen sein, der sich 1984 die Prince Abdul Aziz bauen ließ – ein Ungetüm von sage und schreibe 147 Metern. Das Schiff hat jedoch die arabischen Gewässer seit 1995 nicht mehr verlassen, da der inzwischen über 80-jährige Fahd gesundheitlich sehr angeschlagen ist. Überhaupt machen in der Regel die größten und spektakulärsten Yachten am ehesten von sich reden, da sie meist auch von besonders wohlhabenden Männern angeschafft werden.
So zum Beispiel die Octopus von Paul Allen, dem Mitbegründer von Microsoft. Das von Lürssen in Deutschland hergestellte Schiff misst stattliche 135 Meter und verfügt über mindestens einen Hubschrauberlandeplatz sowie ein U-Boot. Als echter Fan besitzt Paul Allen jedoch noch weitere Yachten, unter anderem die etwa 92 Meter lange Tatoosh, die er ebenfalls eifrig nutzt. Larry Ellison, amtierender Chef von Oracle, ließ sich ein Basketballfeld auf seiner Yacht Katana einrichten. Mit der Rising Sun verfügt er nun auch über die mit 136 Metern längste Privatyacht der Welt. Bekannt für seinen „Yacht-Trieb“ ist auch Roman Abramowitsch, der russische Multimillionär und Besitzer des FC Chelsea. Ihm gehören unter anderem die Pelorus von Lürssen (122 Meter) und die Le Grand Bleu (115 Meter), die auf dem Gelände der Vulkan Werft in Bremen entstand. Und dies sind nur zwei Schiffe aus seiner Flotte.
Der bekannte Formel-1-Manager Flavio Briatore gönnte sich die Lady in Blue des niederländischen Herstellers Amels – eine Motoryacht mit 52 Metern Länge, einem Whirlpool und einer eigenen Deck-Disco. Für das Interieur wurden verschiedenste edle Hölzer und Stoffe verarbeitet. Sie bietet Platz für 12 Gäste und 9 Besatzungsmitglieder und erreicht eine Geschwindigkeit von 15 Knoten.
Giorgio Armani besitzt natürlich ein italienisches Modell, die Mariú von Codecasa. Sie kommt auf eine Länge von 49,9 Metern und schafft mit ihrem Motor 14 Knoten. Die Mariú hat vier Decks, für Gäste gibt es eine Suite und 5 Kabinen, in denen im Schnitt zwei Personen Unterkunft finden. Für das Personal stehen zusätzlich sechs Kabinen zur Verfügung.
Nicht selten wird eine Yacht auch im Zusammenhang mit einem Feriendomizil erworben. Ein Vorgehen, das durchaus sinnvoll ist, denn erstens hat man im Urlaub ausreichend Zeit zum gemütlichen Cruisen und zum anderen macht eine Yacht auf Mallorca einfach mehr Spaß als in Hildesheim. Das sieht nicht nur der bundesdeutsche Jetset so, sondern unter anderem auch Michael Douglas, der mit seiner Phoenix regelmäßig an der Playa de Palma vor Anker geht.
Hersteller von exklusiven Yachten
Das Geschäft mit Yachten ist konjunkturunabhängig, und Millionäre aus aller Welt schätzen deutsche Wertarbeit. Bekannte Hersteller sind u.a. Lürssen, Blohm & Voss sowie Abeking & Rasmussen. International gibt es etwa zwanzig Werften, die Privatyachten bauen. Die Lieferzeiten für Mega-Yachten betragen häufig mehrere Jahre.
Motor- und Segelyachten
- Royal Denship (Dänemark): www.royaldenship.com
- Benetti (Italien): www.benettiyachts.it
- Wally (Monaco): www.wally.com
- Alloy Yachts (Neuseeland): www.alloyyachts.co.nz
- Royal Huisman Shipyard (Niederlande): www.royalhuisman.com
- Blohm + Voss, (Deutschland): www.luxury-yachts.info
- Lürssen Werft GmbH & Co. KG: http://www.luxury-yachts.info
Motoryachten
- Oceano (Niederlane/Monaco): www.oceanoyacht.com
- Princess Yachts (USA): www.princess-yachts.com
- Amels (Niederlande): www.amels-holland.com
- Christensen Shipyards (USA): www.christensenyachts.com
- Codecasa (Italien): http://www.christensenyachts.com
- German Frers (Argentinien, Italien): www.germanfrers.com
- Nobiskrug (Deutschland): www.hdw-nobiskrug.de
- Palmer Johnson (USA): www.palmerjohnson.com
- Trinity Yachts (USA): www.trinityyachts.com
Segelyachten
- Baltic Yachts (Finnland): www.balticyachts.fi
- Jongert (Niederlande): www.jongert.com
- Schöchl Yachtbau (Österreich): www.schoechl.com
- Bavaria-Yachtbau GmbH: www.bavaria-yachtbau.com
Aristoteles Onassis’ Yacht
Bevor Aristoteles Onassis 1954 Hand an die “Christina” anlegte, war sie eine bescheidene Fregatte der kanadischen Kriegsmarine. Millionen Dollar später, wandelte er sie in die wahrscheinlich protzigste Luxusyacht der Welt um.
Diese Yacht diente Aristoteles für mehr als zwanzig Jahre als schwimmendes Heim, also betrieb er großen Aufwand, um sicherzustellen, dass es auch den nötigen Luxus bot. 1998 kaufte ein Freund der Familie Onassis die Yacht, und taufte sie um in “Christina O.” Heute können in 18 Kabinen bis zu 36 Passagiere untergebracht werden, jeder von ihnen wird zweifellos die Wendeltreppe bewundern, die Bibliothek, die Bar und die Marmorbäder. Werfen wir einen Blick auf die Berühmtheiten, die alle hier Gäste waren — Winston Churchill, Marilyn Monroe, Frank Sinatra und Prinzessin Grace, nicht zu erwähnen braucht man wohl Jacqueline Kennedy Onassis – und Sie haben ein Reiseziel das beinahe unvergleichlich ist.
Die “Christina O” können sie für 315.000 Dollar am Tag mieten (www.edmistoncompany.com), abhängig von der Zahl der Gäste. Aristoteles kreuzte oft an der französischen Riviera, aber Sie können hinfahren, wo immer Sie möchten. Behalten Sie nur im Hinterkopf, dass der Treibstoff noch mal zusätzlich 575 Dollar pro Stunde kostet.
Traumyachten zur Miete / zum Kauf
Der Unterhalt einer Yacht ist meist teuer. Wenn Sie also wissen, dass Sie diese nur wenige Wochen im Jahr nutzen würden, bietet sich das Chartern einer windschnittigen Yacht an. Als Laie ist sehr schwierig, einen passenden Anbieter ausfindig zu machen, da das Angebot immens ist. Auch bei der Auswahl der richtigen Yacht, ob mit oder ohne Crew, sollten Sie sich gut beraten lassen. Einige Beispiele des Unternehmens Edmiston: Die Motoryacht Pegasus (59 Meter lang, 12 Gäste, 300.000 Dollar pro Woche), die Segelyacht Viking Girl II (19,9 Meter lang, 8 Gäste, 15.400 Dollar pro Woche) oder die Motoryacht Midnight Rose (21 Meter lang, 6 Gäste, 17.000 Euro pro Woche). Nachfolgend einige ausgewählte Anbieter.
- www.edmistoncompany.com (Yachtcharter in London, Monte Carlo, Los Angeles, Mexico City)
- www.yacht-charter-holidays (Mehr als 3.500 Yachten in 30 Regionen buchbar)
- www.charterboat24.com (Mehr als 3.000 Yachten weltweit buchbar)
- www.happycharter.de (Internetportal für Yachtcharter, Bootsverleih und Bootscharter)
- www.alkedo.com (Yachtcharter in der Karibik und im Mittelmeer)
- www.cnconnect.com (Yachtcharter in Antibes, Cannes, Fort Lauderdale, London, Mexiko, Monaco, Palm Beach, Palma)
- www.luxuryretreats.com (Weltweiter Yachtcharter)
- www.logemann-yachting.de (USA, Karibik, Mittelmeer, Skandinavien)
Yachtregistrierung im Ausland
Bestimmte Länder, so genannte “billige Flaggenstaaten“ bieten Yachteignern erhebliche Vorteile, da sie die Kosten enorm reduzieren. Hier ist wichtig, die Rahmenbedingungen zu analysieren. Es reicht nicht aus, lediglich zu entscheiden, unter welcher Flagge das Schiff segeln wird. Die Situation des Eigentümers beziehungsweise des Nutzers und auch die Verwendung des Schiffes (kommerziell/nicht kommerziell) sind in Betracht zu ziehen. Es ergeben sich weitere Aspekte, wenn eine Crew beschäftigt wird.
Folgende Länder bieten sich an:
Antigua, Belize, British Virgin Islands, Cayman Islands, Channel Islands, Delaware/USA, England, Gibraltar, Liberia, Luxemburg, Malta, Monaco, Panama, Portugal, St. Vincent & Grenadines, Turks & Caicos, Vanuatu.
Für eine Vertiefung des Themas empfehle ich Ihnen die im Verlag erschienene Publikation Yachtregistrierung im Ausland (nur direkt über den Verlag erhältlich).
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